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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 319

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Gestalten der Spätantike
Date
1925-08-01
Page
319 (sequence 10)
Language
German
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Gestalten der Spätantike herabsteige, und wie meine Seele in den Leib gelangt ist, da sie trotz ihres Aufenthaltes im Leibe das ist, als was sie sich uns offenbarte." Damit vollzieht sich eine zweite Umkehrung. Plotin erlebt sich als herabsteigend aus einem überkosmischen Jenseits, aus dem Reich jenes Gottes, der weder Gestalt, noch Form hat Dieser gestaltlose Gott hängt wesensmäßig mit dem vielgestaltigen Menschen zusammen, wie ich später zeigen werde; je zerspaltener der Mensch ist, je mehr seine Einheit in Gott hineinrückt, desto einfacher und gestaltloser wird das Göttliche erlebt Wie aus ihm nun der Mensch und der ganze Kosmos emanieren soll, wie das hier im Menschen und entsprechend in seiner Eigenwelt vorliegende Phänomen zu beschreiben und zu analysieren wäre, das versage ich mir, weil wir das Entsprechende bei Philon in einfacherer und historisch früherer Form wieder antreffen werden. Ich verweise deshalb ausdrücklich auf die späteren; Ausführungen und begnüge mich hier mit der Feststellung, daß bei Plolin eine dreifache Spaltung des Menschen und der Welt vorliegt1) Aber, kann man einwenden, ist das nicht eine ganz äußerliche Überlegung, die diesem großen Geiste nicht gerecht wird? Nun, so ganz äußerlich ist sie nicht, denn die aufgewiesenen Spaltungen gehen durch alle Probleme hindurch. Um nur eines zu nennen: unter ihrem Einfluß spaltet sich der Begriff des Schönen in das Sinnlich-, Seelisch-, Geistigschöne und in das Urschöne, Überschöne des Einen. Stufenweise lagern sich diese Kreise übereinander, wie im Kosmos, wie im Menschen; jede weitere Stufe ist eine höhere, reinere, seligere, bis die Seele auf dem Höhepunkte ihre eigentliche Seligkeit findet — Aber ist nicht dennoch diese Zerspaltenheit, diese Vielheit, dieser Pluralismus nur Außenseite, war es nicht auch dieses Denkers Ziel, über die Zerklüftetheit hinauszukommen zu einem neuen organischen Ganzen? War nicht unser Problem auch sein Problem? Steht er uns nicht näher als wir ahnen? Und ist nicht von hier aus gesehen der Neuplatonismus, der noch einmal die ganzen geistigen Kräfte und philosophischen Traditionen der Spätantike zu einer neuen grandiosen Einheit zusammenfaßt, ein Versuch, diesen Spaltungsprozeß zu überwinden? Er ist es. Wie aber versuchte er es? Nun, erstens durch die Lehre, daß die Seele eines jeden eine Einheit sei, die sich nicht etwa 1) Es liegt hier nämlich genau wie bei Philon das Phänomen der Doppelintroversion vor. Ich werde aber diesen Begriff erst dort erläutern. Was ich in meinem Plotin (Leipzig 1921) Alexandrinisches Weltschema und Plotinisches System nannte, stellt die Außenseite dieses Phänomens dar. 3t9

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