Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Gestalten der Spätantike
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 318 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Fritz Heinemann wo, so gilt hier die schon erwähnte Identität von Mensch und Welt, die Piaton unvergleichlich formuliert hat Was wäre für Plotin das Eine, wenn sich der Mensch nicht zu ihm erheben, sich in es versenken und in ihm seine höchste Seligkeit erleben könnte? Freilich ist das Eine als das Höchste, als der Inbegriff der Kräfte, aus denen seine Erlösung findet er in einem anderen Einzigen, in Gott So gleichsam ein anderer geworden und nicht mehr er selbst, gelangt er zum Einen und ist eins mit ihm wie das Zentrum zweier konzentrischer Keise das gleiche ist Und so ist das Leben des göttlichen und glückseligen Menschen eine Flucht des Einzigen zum Einzigen. Hier erlebt der Mensch sich selbst und die Welt als ein System sich übereinanderlagernder Schichten. Und wie der Mensch sich aus einer sinnlichen zu einer geistigen Sphäre erhebt, so baut sich über die tatsächliche Welt eine geistige Überwelt Diese ist die eigentliche Heimat der Seele; und es klingt für uns fast abstrus, es zu hören, ist aber der beste Beweis für die hier vorliegende Spaltung, wenn Plotin sagt: „Wenn ich es wagen darf, gegen die Meinung der anderen meine Überzeugung deutlicher auszusprechen: unsere Seele ist nicht ganz eingetaucht (in die sinnliche Welt), sondern ein Teil von ihr ist stets in der geistigen Welt, wenn aber das im Sinnlichen Befindliche überwältigt, mehr noch wenn es überwältigt und in Verwirrung gebracht wird, so läßt es nicht zu, daß die Seele eine Wahrnehmung von dem hat, was ihr oberer Teil schaut Nur dann nämlich wird der Denkinhalt wirklich unser, wenn er bis zur Wahrnehmung herabreicht, . . . denn wir erkennen etwas erst, wenn es die ganze Seele erfaßt hat" Hier ist also die Spaltung so weit getrieben, daß die Seele ihren Halt im Jenseits hat und daß sie infolgedessen der Ekstatik bedarf, um wieder zu sich zu kommen. Ist es da wunderbar, daß dieses Jenseits zugleich als Ursprungs- und Kraftquell des Seelischen erscheint? „Oft, wenn ich zu mir selbst aus dem leiblichen Leben erwache, und aus dem Kreis der anderen Dinge heraustretend in mir selbst Einkehr halte, schaue ich eine wundersame Schönheit, traue dann am meisten auf ein besseres Schicksal, wirke in mir das beste Leben, werde mit dem Göttlichen eins und bin dadurch, daß ich in es versetzt bin, zu jener Energie gelangt und habe mich über alles andere Geistige emporgeschwungen; wenn ich dann nach diesem Verweilen in der Sphäre des Geistes in die der verstandesmäßigen Überlegung herabkomme, dann bin ich in Verlegenheit, wie ich wohl jetzt 318