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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 317

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Gestalten der Spätantike
Date
1925-08-01
Page
317 (sequence 8)
Language
German
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Gestalten der Spätantike staltlose des Alls das Gestaltlose des Menschen in sich aufnimmt, so den Menschen erlöst von seiner Zerrissenheit, ihn zur Einheit bringt, die er nicht mehr in sich selbst, sondern nur außerhalb seiner finden kann. Er muß sich vereinfachen, muß sich von allem zurückziehen, die ganze sinnliche Welt fahren lassen, um zu sich selbst zu kommen. Der Mensch ist vereinzelt, gespaltenen Menschen vor, die weder zur Ekstatik, noch zur Mystik führt und innerhalb der Welt bleibt Was Nietzsche von den Stoikern sagte, denen man bekanntlich Marc Aurel zuzurechnen pflegt, daß man sie sich erst aus der Nähe ansehen sollte: „Sie waren vielleicht allesamt auf den Beinen nicht mehr fest? Erschiene vielleicht die Wahrheit auf Erden als Rabe, den ein kleiner Geruch von Aas begeistert?", das ist. nicht so ganz unberechtigt Und in Paranthese möchte ich die Frage einschalten: hat nicht vielleicht die Ausscheidung und bewußte Unterdrückung der Leidenschaften und des Triebhaften durch die Stoa den ersten Anstoß zu diesem großen Spaltungsprozeß gegeben? Wieder schreiten wir ein Jahrhundert weiter und kommen zu Plotin, dein berühmten Neuplatoniker, der, 20 4/5 in Ägypten geboren, in Alexandria aufgewachsen, nach Teilnahme an dem mißglückten Feldzug des Kaisers Gordianus gegen die Perser, seit 2 44 bis 269/70 in Rom weilte und dort der Mittelpunkt eines religiös-wissenschaftlichen Kreises wurde. Und wieder ist die Spaltung weiter getrieben. Plotin begnügt sich nicht, von seinem Körper die Seele und von dieser den Geist zu unterscheiden, es genügt ihm nicht,, wie Marc Aurel, sich auf den Geist zurückzuziehen, sondern eine geradezu unheimliche Sehnsucht lebt in ihm, diesen Geist noch zu überschreiten und über ihn vorzudringen zu dem, worin der Mensch erst seine letzte Einheit findet, zum Letzten, Unaussprechlichen, Unsagbaren, zum Göttlichen, zum Einen. — Man wende uns nicht ein, hier sei es ja eine nur in der Reflexion sich vollziehende Trennung, es handle sich ja gar nicht um eine Teilung innerhalb des Menschen, sondern nur um eine gedachte Trennung eines äußerlichen Materials. Hegel hat die ganze Philosophiegeschichte verdorben, indem er überall nur Begriffe, nur Systeme sah. Wir müssen die fundamentale Umkehrung vollziehen und erkennen, daß die Begriffe, die Systeme nur die Außenseiten, nur die Hüllen eines blühenden Lebens sind und daß sie ohne diesen Lebensbezug tot, unlebendig, langweilig werden. Bei den spätantiken Menschen jedenfalls ist das, was uns als System erscheint, nur Schale, Kruste, die weggeworfen werden kann, wenn das Lebewesen sie verlassen hat. Wenn irgend- 317

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