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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 306

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Max Liebermann
Date
1925-08-01
Page
306 (sequence 8)
Language
German
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Wilhelm Hausenstein gekommen; nie hat er von dort eine für seinen darstellerischen Stil sehr wesentliche Anregung empfangen; in Rom erregte ihn am meisten der Gorso des modernen Publikums auf dem Pincio, und diese Promenade ist es, die er radierte — in einer seiner besten Radierungen radierte. Münchener Maler in Venedig — darunter Lenbach — vermochten den geschworenen Nordländer, nach München überzusiedeln. Er ist in der Tat auch sechs Jahre in München geblieben: von 1878 bis 1884. Man begreift es nicht ganz leicht, wie Liebermann, der Berliner, der nordwärts gerichtete Mensch und Maler, in dieser etwas musealen Stadt sein Temperament zusammenhalten konnte; in dieser katholischen Stadt; in dieser allzu bewußt künstlerischen und allzu traditionalen Stadt. Aber man muß bedenken, daß München damals immerhin noch die Hauptstadt des deutschen Malens war und daß es, anders als heute, eine kosmopolitische Bewegtheit und Duldsamkeit noch zu seinen schönen Vorrechten zählte. Man muß auch bedenken, daß mit der Figur Leibis ein zeitgenössischer Realismus in und um München seine Programme ausgerufen hatte, daß Liebermann also doch auch in einer ihm adäquaten Stadt existierte. Er denkt auch nicht ungern an diese Zeit zurück. Auf die Dauer hielt ihn München freilich nicht Vermochte München doch auch Leibi nicht zu halten. Eine dekorativ-historisierende Gesinnung, ein eitel und oberflächlich epigonisches Wesen gewann die Oberhand, nicht am wenigsten mit Lenbachs Schuld. Dies war kein Boden mehr für einen Liebermann. Dieser Mensch und Künstler brauchte radikalere und sachlichere Atmosphären. So kehrte er i884 in das historisch minder beschwerte, in dies kolonialere, in dies weniger „künstlerische" Berlin zurück. Er fixierte sich nun. Er blieb dort bis zum heutigen Tage (die Reisen natürlich ausgenommen) und wird dort bleiben, bis er abgerufen wird: dort in Berlin, am Pariser Platz, wo er sich unterm Dach ein Atelier eingebaut hat, und auf seiner so sachlichen Besitzung am Wannsee nahe bei Berlin. Liebermann hat, obzwar der materiellen Sorgen jederzeit ledig, keinen leichten Weg gehabt Frauen, alte Weiber zu malen, die Gänse rupfen, andere, die Konserven machen; eine Kartoffelernte zu malen oder die traurige, proletarische Arbeit auf einem Rubenfeld; holländische Nähmädchen zu malen, alte Männer aus einem holländigen Pfründnerheim; eine Flachscheuer, eine Seilerbahn, Waisenmädchen, Fabriken, armselige Werkstätten von Handwerkern: dies war gegenüber der aufs Gefällige gestimmten Meinung der Leute und der offiziellen Instanzen keine selbstverständliche Unternehmung, 306

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