Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Max Liebermann
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 301 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Max Liebermann wenn ich so sagen soll, das Oppositionelle des Liebermannschen Temperaments, sein kluger Trieb zur Fronde, seine sublime Rücksichtslosigkeit, seine Schärfe überhaupt, die instinktiv alles Mindere ausschließende Bestimmtheit seines ganzen überlegenen Wesens, ja eine phänomenale Einseitigkeit; die Einseitigkeit des sog. „Impressionisten". Wir verbinden das Menschliche auch weiter mit dem Künstlerischen, wenn wir feststellen: Greift man zurück zu den früheren Arbeiten, denen der Siebenziger und Achtziger Jahre, die heute schon fünfzig Jahre alt und älter sind, so sieht man auch wieder rasch, daß man diesem Geist mit dem Begriff des „Impressionisten" ja gar nicht umschließen kann, daß diese Natur vielmehr zu reich, im historischen und im personlichen! Sinne zu weit, zu vollständig ist, um mit diesem Begriff gedeckt zu werden. Mensch und Maler haben einen ungemeinen Sinn auch für die Festigkeit der Tatsachen dargetan. Ich würde nicht anstehn, den frühen Liebermann als einen Klassiker des malerischen Realismus zu bezeichnen, wenn man sich auch getrauen darf, den späteren als einen „Impressionisten" zu kategorisieren; wobei man ihn allerdings als einen Klassiker auch des Impressionismus bezeichnen müßte — das heißt: als einen Maler, der einer bestimmten Programmalik eine ungemeine Deutlichkeit und Größe der Verwirklichung gibt (Von einem Klassiker im Sinne des Klassizismus kann bei Liebermann natürlich nicht die Rede sein; er ist das Gegenteil davon. Klassiker ist er in jenem aller allgemeinsten Sinne, der nur bedeutet, daß innerhalb einer bestimmten, wie immer gearteten Geistesrichtung etwas in seiner Weise Vollkommenes, Mustergilliges, „Klassisches" getan sei . . .) Das Leben und das Werk Liebermanns stellt heute längst eine große Geschichte dar; groß im Sinne der Zeitdauer, groß im Sinne der Sache. Wir betrachten seine künstlerische Biographie. Max Liebermann wurde am .20. Juli 1847 geboren. Er ist ein Berliner Kind. Seine Familie ist heute etwa seit hundertfünfzehn Jahren in Berlin ansässig. Die Familie ist jüdischer Abstammung. Der Großvater hatte in Berlin eine Kattunfabrik begründet, die der englischen Konkurrenz auf dem kontinentalen Markt Schwierigkeiten bereitete; er war ein Kaufmann im alten Stil: wagend und streng korrekt, ein unternehmender, ja kühner und ein gescheiter Biedermann. Sein überzeugendes Bildnis hängt im Hause des Enkels. In der mütterlichen Ascendenz Liebermanns, des Berliners, findet sich wienerisch-jüdisches Blut. Tatsache der Tatsachen in der Vitalitat unseres Meisters: Liebermann ist Jude im rassigsten Sinne des Wortes; und 30t