Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 297 (sequence 30)
- Language
- German
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Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn im allen Sparta gegenüber den Heloten, im alten Rom gegenüber den Plebejern, und auch noch im alten Preußen. „Jede höhere Kultur setzt vielleicht das Vorhandensein einer dienenden gegenüber einer herrschenden Rasse voraus." Also in dieser Form darf die alpine Rasse im Lande bleiben! Andere Schriftsteller des Lehmannschen Verlags nennen die Sache mit erfrischender Offenherzigkeit beim Namen: Herren und Sklaven 1 (Heiser). Endlich denke man an die Vergiftung des geistigen Lebens des deutschen Volkes durch diesen ganzen Rassenwahn! Sprache, Sitte, Gedanken, Gefühle, Kunst, Religion, Weltanschauung: alles ist rassisch bedingt, rassisch determiniert. Nur in der „bluteigenen" Sprache kann man sich richtig ausdrücken, nur sie kann man schöpferisch beherrschen; woraus z. B. Günther den grotesken, aber folgerichtigen Schluß zieht, daß die romanischen, also weil indogermanisch auch ursprünglich nordischen Sprachen für die ganzen heute entnordeten Mediterranen eine zerrissene Zwangsjacke seien, aus deren Löchern mehr und mehr die alten agglutinierenden Fetzen hervorragen, ebenso wie z. B. das Pantheon in Rom ein Rückschlag vom viereckigen nordischen Langhaus zur ursprünglichen mediterranen Rundhütte ist! Feminismus und Frauenbewegung deuten bei uns auf wiedererwachende mutterrechtliche Instinkte gegenüber den vaterrechtlichen der nordrassischen Gesittung. Demokratie entspringt ostischen Hirnen. Ist da ein geistiger Kampf der Meinungen und Überzeugungen nicht völlig nutzlos? Werden nicht Knüppel und Pistolen adäquate Kampfmittel? Impressionismus und Realismus in der Kunst, Internationalismus in der Politik sind Blüten des Rassensumpfes, nur ein Internationalismus nicht, der „Allnordische" — ja Günther sieht sogar am Horizont die Morgenröte eines allnordischen Pazifismus dämmern! — Das Christentum — Vorsicht! Daß man Bibel- und Rassenglauben vereinigen kann, beweist Gobineau; freilich. — der Buddhismus mit seiner Menschheitsidee war das deutliche Symptom des Erlöschens nordischer Rasse in Indien; das Christentum — — „es dauerte lange, bis ein Meister Eckart das artfremde, aus jüdischem Volksschicksal entsprungene Christentum im nordischen Geist umzudeuten versuchte, und man wird wohl nicht sagen können, daß Luther das geistige Erbe aus der nordischen Gedankenwelt eines Eckari wieder ganz hätte heben können." Auch Kant ist auf halbem Wege stehen geblieben, sein kategorischer Imperativ muß künftig lauten: „Handle so, daß Du die Richtung Deines Willens jederzeit als Grundrichtung einer nordrassischen Gesetzgebung denken könntest!" Der deutsche Idealis- 297 19