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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 298

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
Date
1925-08-01
Page
298 (sequence 31)
Language
German
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Julius Schaff er: Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn mus, der höchste Flug deutschen Geistes, liegt zerschellt am Boden, vom Giftgas der Rasse zum Absturz gebracht! Edda und Saga, die Heldengesänge einer nordischeren Frühzeit, werden zur deutschen Bibel altgermanische Baukunst (?), Mythus und Gesetzgebung — wornach z. B. der Fremdrassige nicht zum Volk gehört! — zur „Rettung der deutschen Seele".-- Das also ist das Evangelium der Rasse. Ist es nicht eher eine Apokalypse? Aufbau durch Zerstörung, Wiedergeburt durch Untergang! Und ewige Wiederkunft dessen, was am Anfang aller Dinge war, zur Zeit der nordischen Renntiernomaden, in deren unvorstellbar riesigen Hirnen ein Dutzend Kultursprachen schlummerten. — Welch ein Irrglaube! Welch undeutscher nationaler Unglaube! Es bleibt mir zum Schluß nichts zu tun, als ihm mein eigenes nationales! Glaubensbekenntnis entgegenzustellen: Ich glaube nicht, daß unsere Größe in der Vergangenheit liegt, sondern vor uns, in der Zukunft, auch als Rasse! Ich bekenne mich zu dem Geschlecht, das aus dem Dunklen ins Helle strebt Ich glaube nicht an das Blut, an den Fatalismus der vererbten Materie,, sondern an die sieghafte Macht des Geistes, so auch des Geistes der deutschen Kultur, der allen deutschen Rassen, auch den deutschen Juden, das Siegel des Deutschtums aufzudrücken imstande ist Ich glaube nicht an die Rasse, weil es Glauben an den Durchschnitt ist, ich glaube vielmehr an den über die Rasse hinausragenden Einzelnen. Dehmel sagt: Ich hab ein großes Vaterland. Zehn Völkern schuldet meine Stirn Ihr bischen Hirn. Ich habe nie das Volk gekannt, Aus dem mein reinster Wert entstand! Endlich: ich glaube nicht an Rasse und Nation als an das Letzte und Höchste, sondern ich suche den nationalen Gedanken des Deutschtums mit den großen Meistern des deutschen Idealismus darin, die Völker über die Enge ihrer nationalen Horizonte hinauszuweisen in die Höhen des ewig Menschlichen, das zugleich das ewig Göttliche ist-- 298

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