Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 296 (sequence 29)
- Language
- German
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Julius Schäffer gleich am besten, eine neue Völkerwanderung vom Norden nach dem Süden Deutschlands zu arrangieren? Über den Verlust des völlig „dunklen" Elsaß- Lothringen müßten unsere Völkischen vom Rassenstandpunkt aus Freude empfinden, ebenso über die politische Selbständigkeit Luxemburgs und der Schweiz. Und das überwiegend dinarisch-ostisch besiedelte Österreich? Wäre „durch diese Zufuhr neuen nicht-nordischen Blutes die Möglichkeit einer Wiedervernordung" nicht ebenso „bis zur Aussichtslosigkeit verringert", wie durch die 600 000 deutscher Juden, deren Ausschluß Günther durch diesen Satz begründen will? Die partikularistischen Tendenzen Bayerns, deren tiefste Ursache nach Günther in Rassengegensätzen liegt, würden durch Bewußtwerden dieser Gegensätze gewiß nicht an Schlagkraft verlieren. Die Mainlinie würde eine neue Bedeutung erhalten. Schließlich erinnere man sich, daß die nordische Rasse dem Wesen nach die protestantische, die alpine die katholische sein soll Welche ungeahnten politischen Möglichkeiten ergeben sich für das deutsche Volk! Hätte Napoleon geahnt, welch tiefen rassischen Sinn sein Rheinbund hatte, er würde vielleicht hjeute noch bestehen. Aber was nicht ist, kann werden. Auf die Dauer wird ja das Günthersche Buch auch den Franzosen nicht verborgen bleiben, Reklame genug wird dafür in allen „nationalen" Tagesblättern gemacht Die rheinischen Separatisten rührten ja auch schon an die rassischen Saiten. Man denke weiter an unsere deutschen Standes- und Klassenkämpfe! Der deutsche Adel ist am reinsten nordisch geblieben: fordert es nicht der Schutz der Nordrasse, ihm seine Privilegien zurückzugeben? Wird für ihn strengste Exklusivität nicht wieder rassisches Gebot? Das nordische Bürgermädchen, für dessen Hof- und Heiratsfähigkeit Günther rührenderweise ein Wort einlegt, dürfte doch ein zu großes Wagnis sein bei der Möglichkeit latenten unnordischen Erbgutes, wo man den Stammbaum nicht kennt! — Und unsere industriellen „Organisatoren": werden sie ein weicheres Herz bekommen, wenn sie wissen, daß die Arbeiterklasse im großen Ganzen keine Menschen wie sie sind, sondern eben eine minderwertige Rasse? Und werden unsere Arbeiter, wenn sie sich des Rassenunterschiedes bewußt werden., sich vielleicht eher in ihr Los schicken? Worin liegt die Lösung der sozialen, ebenso wie der Verfassungsfrage? Wer Günthers Gedanken zu Ende denkt, kann nicht mehr im Zweifel sein, obgleich Günther selbst die Konsequenz vielleicht in Abrede stellen würde: die nordische Rasse muß wieder die übergeordnete werden, wie sie es war im alten Indien gegenüber den Parias, 296