Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 295 (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895455-2896064--00350-2896144- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn störend sein. Man höre: wir müssen in Deutschland dazu kommen, zwischen erwünschtem und unerwünschtem Zuwachs ebenso zu unterscheiden, wie Amerika zwischen erwünschter und unerwünschter EinwanderungI Das Korn Wahrheit, das darin steckt, wird durch den Rassengedanken völlig verschüttet und vergiftet Warum sollte man nicht wünschen, daß wir eine Familie Beethoven bekommen hätten, wie es eine Familie Bach gab? — Kann sein: „Die Lage ist fast verzweifelt" Und so müssen für die Rettung der nordischen Rasse doch Kollektivmaßnahmen ergriffen werden: Gründung nordischer Vereinigungen, Adoption armer nordischer Kinder, Stiftungen zu ihrer Erziehung. Das wird freilich nicht viel nützen. Es geht doch nicht ohne Staatshilfe: Verbot anderer als nordischer Einwanderung, also vor allem ostjüdischer Einwanderung. Aber warum nicht auch der polnisch-ostischen Gutsarbeiter? — „Damit gerade in den nordischen Gebieten eine höhere Geburtenziffer ermöglicht werde, sind sicherlich vor allem auch Änderungen in den Verhältnissen des Erbrechts und Erbgebrauchs notwendig." Warum so vorsichtig? Ich kann Herrn Günther und seinen völkischen Freunden einen Plan verraten, der sicher für die Wiederaufnordung Deutschlands unendlich viel wirksamer wäre, als all das aufgeblasene nordische Ethos. Sagen wir gerade heraus: Aufteilung der ostelbischen Rittergüter und Ansiedlung landhungriger Bauernsöhne aus den westlichen preußischen Provinzen, die fast allesamt vorwiegend nordisch sind; dazu bedürfte es gar keiner Sondergesetzgebung! Aber wenn unsere völkischen Rassenapostel vom Staat nichts für ihre Gedanken erwarten, warum wenden sie sich nicht an ihre junkerlichen Freunde und machen denen zur Pflicht, ihr Land mit ausgewählten nordischen Bauernsöhnen zu bevölkern? Man denke an unsere deutschen Stämme, die heute schon oder schon längst überwiegend ver-ostet sind: An die Bayern, Schwaben, Alemannen und großenteils auch die Franken. Bei ihnen geht ja angeblich die Ver-ostung schon bis in die Dialektbildung: Die süddeutsche Aufweichung der Konsonanten, die Umfärbung der Vokale bedeutet beginnende Zerstörung deutscher (nordischer) Sprache durch ostische Sprach Werkzeuge! Und weiß der Himmel, was unsere Rassiker sonst noch Verdächtiges an unseren süddeutschen Hausformen, Trachten oder 'Volkssitten entdecken werden! Also freuen wir uns nicht zu früh über den Reichtum deutscher Kultur, es könnte sich dabei um Rückschläge in ostische Barbareien handeln I Was soll man nun in Süddeutschland zur Hebung nordischer Rasse tun? i—20/0 „Fremd^tämmige" könnte man ja schließlich hinausjagen. Aber mehr als 5o<y0? Wäre es nicht 295