Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 294 (sequence 27)
- Language
- German
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Julias Schaff er und China die herrlichsten Kulturen hervorgebracht hat, sie ist heute in ihrem Stammland in ihrer Existenz bedroht! Gerade infolge ihrer Tugenden: infolge ihrer Vordenklichkeit; infolge ihrer höheren sozialen Stellung; infolge ihrer größeren Unternehmungs- und Auswanderungslust; infolge ihres Heroismus, ihrer größeren Blutverluste durch den Krieg. Umgekehrt „sickert" die Ostrasse von den Schlupfwinkeln her, in die sie sich vor den ,J.andnehmenden" Germanen zurückgezogen hatte, immer weiter ins deutsche Volk ein, infolge ihrer kuliartig geringeren Lebensansprüche, infolge der Mechanisierung der Arbeit, die dem ungelernten Arbeiter Verdienst- und Heiratsmöglichkeilen schafft Wir sind längst nicht mehr das Volk der Reformation, nicht mehr das Volk der klassischen Epoche. Deutschland ist im Begriff, ebenso zu ver-osten, wie Frankreich schon völlig ver-ostet ist Ver-ostung aber bedeutet Degeneration, Untergang, Zusammenbruch, Herabsinken von der Kulturhöhe, wie es in Griechenland, in Rom, in Italien, trotz strenger Standegliederung und Klassengesetzgebung eintrat Das Ziel heißt: Wiederauf nordung des deutschen Volkes! Auf dieses Ziel ist Günthers ganzes Buch gerichtet Wer es gelesen, wird gewiß nur noch nordisch heiraten. „Mischungen", heißt es im kurzen Abriß, „dürfen nSur zur Aufbesserung der Blut-i mischung erfolgen", ein Rat, den sich immer nur der minderwertigere Ehepartner gesagt sein lassen darf! Wer das Buch gelesen, wird von der Pflicht durchdrungen sein, mindestens vier Kinder großzuziehen. Es kann wohl sein, daß einzelne Menschen sich das zu Herzen nehmen und ihrer Pflicht gegen Rasse und Volk eingedenk sind. Die geschichtlichen Erfahrungen stimmen freilich pessimistisch. Welche Illusion aber zu hoffen, daß durch rassische Belehrung eine starke Vermehrung gerade der wertvolleren Volksbestandteile zu erzielen sein werde. Das Gegenteil wird eintreten. Günther selbst berichtet noch in der zweiten Auflage mit Stolz: „Daß es heute schon nordischostische Menschen gibt, die auf Fortpflanzung verzichten^ weil sie von ihrer Ehe nicht die erwünschte nordische Nachkommenschaft erwarten können." In der Tat, wer Günther die Minderwertigkeit der Ostrasse glaubt, dem wird der Mut zur Fortpflanzung gründlich vergangen sein. Welcher Wahn, zu glauben, daß der positive Erfolg größer sein werde, als der viel bequemere negative! Daß solche Rassenbelehrung auf breitere Schichten in der Fortpflanzung wirksam sein werde, daß etwa in Folge davon im niedersächsischen Volksstamm die Geburtenziffer sich heben werde, daran kann nur ein reiner Tor wie Günther glauben. — Die wahre Wirkung kann auch hier nur zer- 294