Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 292 (sequence 25)
- Language
- German
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Julius Schiffer Spaltungen werden nur entsprechend dem Willen neuer Besinnung in klare Bewußtheit übergeführt;" es wird eine Scheidung eintreten „all derer, welche eine Erneuerung Deutschlands von Grund auf, vom Blut her, wollen, von denjenigen, welche auch nach Kenntnis der Blutgesetze den Gedanken der Gleichheit aller Menschen und den Menschheitsgedanken noch vertreten". — Nun, was es praktisch bedeutet, althergebrachte Spaltungen in bewußte, rassenmäßig gedachte, also unübersteigbare, zu verwandeln, das hat die Geschichte des Antisemitismus zur Genüge gezeigt — Daß dem Lehmannschen Verlag auch schon leise das Gewissen zu schlagen beginnt, verrät der von ihm zu Propagandazwecken herausgebrachte „kurze Abriss der Rassenkunde", worin die alpine Rasse wesentlich milder beschrieben und wo am Schluß treuherzig bemerkt wird: „Gleichwohl ist der Wert der ostischen Menschen als arbeitsame, ruhige und friedliche Staatsbürger nicht zu unterschätzen. Es mag sogar sein, daß sie gerade für ein hochentwickeltes Industrieland ein recht notwendiger Volksbestandteil sind". Der Lehmannsche Verlag steht vorne an im Kampf gegen die Juden. Mit durch ihn sind dem deutschen Volk die politischen Konsequenzen eingehämmert worden, die aus dem Gegensatz zwischen einer edlen und einer minderwertigen Rasse innerhalb eines Staates zu ziehen sind. Was gegen die Juden recht ist, muß gegen die Alpinen billig sein. Was würde das bedeuten? Zuerst und vor allem eine Vergiftung der persönlichen Beziehungen der einzelnen Volksgenossen zueinander. Den Gedanken, daß der nordische Mensch als der wertvollere, der nicht nordische als der wertlose gelten soll, findet Günther nur für ein Zeitalter anstoßig, das den einzelnen Menschen als höchsten Wert ansieht Gleichzeitig versichert er, nie werde die neue Erkenntnis sich etwa gegen einen einzelnen Menschen wenden. Einmal kann man ja nicht sicher wissen, ob nicht durch eine seltsame und seltene Verschränkung der Merkmale in einem alpinen Körper eine nordische Seele wohnt, und man wird dann „den Wert eines Menschen als Einzelwesen wohl unterscheiden müssen von seinem Wert als Zeuger". Man wird von einem solchen Menschen wie Beethoven „nur nicht wünschen, er möge seinem Volke Nachkommen hinterlassen"! Im „kurzen Abriß" wird den deutschen Brüdern, die ostischen Blutes sind, versprochen, sie um deswillen doch nicht gering zu achten, „solange sie bestrebt sind, sich als gute Deutsche zu bewähren, und wer sich ostischen Blutes weiß, wird in sich die hohe Verpflichtimg fühlen, nun erst recht, gerade weil ihm vielleicht einzelne Eigenschaften der 292