Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 291 (sequence 24)
- Language
- German
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Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn Genies kann es für Günther natürlich nicht geben. Aber gehört nicht mindestens Gottfried Keller hierher? Und sehen wir uns einmal unter den politischen Führern der Gegenwart um: unter den Kandidaten für die Reichspräsidentenschaft war nicht ein einziger überwiegend nordisch; von Parteiführern ist es höchstens von Graefe, die meisten sind nordisch-alpine Mischlinge, auch Hergl und Westarp; und Stresemann wie Ebert sind ganz überwiegend alpin, was ja auch unsere völkische Presse bereits mit Genugtuung festgestellt hat IIL Würde sich all das, was Günther von der nordischen Rasse Gutes, von der alpinen Schlechtes sagt, wissenschaftlich erweisen lassen, wie er es glaubt, so wäre es natürlich nicht angebracht, diese Einsichten verdunkeln zu wollen wegen etwaiger unangenehmer Konsequenzen für das deutsche Volk. Eine andere Frage wäre freilich, ob es richtig wäre, diese Dinge vor einem so großen Publikum auszubreiten, in einem Augenblick, wo das deutsche Volk die schwerste Krisis seiner Existenz durchmacht. Wer das tuts übernimmt eine schwere Verantwortung, auch für Konsequenzen, die über seine eigenen Absichten hinausgehen. Wenn sich in der Folge dieser neuen „Erkenntnis von Gut und Böse" eine neue Kluft im deutschen Volk auftäte, zu den zahlreichen schon vorhandenen Gegensätzen, von Konfessionen, Stämmen und Dynastien, Parteien und Klassen, so könnte Günther und der Lehmannsche Verlag sich seiner politischen Verantwortlichkeit nicht einfach durch Berufung auf sein wissenschaftliches Gewissen entziehen. Günther selbst ist zweifellos ein „Idealist", wenn auch ein „verbohrter". Es spricht für die Reinheit seiner Gesinnung, daß er sich selbst die Zweifelfrage stellt, ob die öffentliche Darstellung rassenkundlicher Tatsachen nicht neue Spaltungen zu den alten hinzufügen und die Verwirrung der Geister nicht noch einmal steigern müsse. Er gibt selbst zu: „Tatsächlich wird eine Behandlung der Rassenf ragen in eigentlicher breiter Öffentlichkeit vorerst immer von Übel sein, sofern es nicht bei bloß wissenschaftlichen Feststellungen bleibt" Sein eigenes Buch, das nicht bei wissenschaftlichen Feststellungen stehen bleibt, scheint er auch in der 6. Auflage noch nicht zur breiten Öffentlichkeit zu rechnen; auch die Lichtbildervorträge nicht, die der Lehmannsche Verlag nach seinem Buch organisiert „Sollte wirklich einmal die Kunde von der Blutzusammensetzung der europäischen Volkstümer sich bis ins öffentliche Leben hinein auswirken, so werden im Grunde keine neuen Spaltungen eintreten. Althergebrachte 29t