Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 290 (sequence 23)
- Language
- German
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Julius Sch äffer so erhält man die Namen: Moltke, Ludendorff, Humboldt, Zumbusch. Das mag ihm selbst etwas mager gewesen sein und er hat neuerdings hinzugefügt: Rubens, Jacob Böhm, D. C. Friedrich, Friedrich d. Gr., Hebbel, und dazu noch, um wenigstens einen unserer ganz Großen zu haben, Kant dessen ostbaltischer „Quadratschädel" wieder einmal eine krankhafte Deformation sein muß. Sicher wird die Liste sich noch wesentlich vergrößern lassen, aber ebenso sicher ist es auffallend, wie schwer es fällt, auch in den nordischen Stammländern rein nordische Genien zu finden. Besonders fällt auf, daß berühmte Schweden wie Berzelius, Selma Lagerlöf und besonders Strindberg keineswegs überwiegend nordisch aussehen, ebensowenig Ibsen und Björnson. Dabei muß man bedenken, daß Photographien keine Rassenurkunden sind. So hat selbst Dürer in dem bekannten Selbstbildnis die breiteren Backenknochen wie die dinarische Nase seiner Jugendbildnisse verschwinden lassen. Wie kann Günther auf eine Photographie hin Gottfried Keller für nordisch erklären? Man kann jeden Menschen so aufnehmen, daß man ihn nordisch deuten kann, und wenn, wie Günther behauptet, nordisch gleich schön ist, so wäre größte Vorsicht am Platz. Unter den „überwiegend alpinen" Typen figurieren bei Günther selbst gleich drei Sterne erster Ordnung: Beethoven, Balzac und Sokrates, von kleineren Geistern bildet er ab: Fritz Reuter aus dem nordischen Mecklenburg, Justinus Kerner und Ebner-Eschenbach; es gehören hierher aber auch Schubert, Reger, Menzel, Schwind, Schadow, Liliencron u. a., von Ausländern Peter der Große. Beethoven soll nach Günther blaue Augen, also nordisches Genie gehabt haben, Bauer aber malt die Augen braun! — Wo bleiben denn nun aber sonst unsere Allergrößten? Luther, Dürer, Bach, Leibniz, Goethe, Schiller, Freiherr v. Stein, Bismarck, Schopenhauer, Nietzsche, Brahms? Sie sind ebenso wie Kant samt und sonders Mischlinge und wohl ganz überwiegend aus den beiden Rassen, aus denen das deutsche Volk eben im wesentlichen besteht, aus der nordischen und alpinen. Günther möchte diesen Eindruck möglichst verwischen, und rechnet daher so viel wie möglich alle Rundköpfe — und solche haben sie fast ausnahmslos! — und dunklen Farben auf Konto des dinarischen Einschlags, so außer Dürer, Böcklin, Segantini, Liszt, Grillparzer, Mozart, Wagner, Weber, bei denen diese Deutung stimmen mag, auch Goethe, Schiller, Hauptmann, Nietzsche, Thoma und fast alle Musiker, nur um der alpinen Rasse den Ruhm nicht zu lassen. Unter unsern Musikern, den reinsten Kündern deutscher Seele, finde ich nur ein überwiegend nordisch aussehendes Gesicht: das Gustav Mahler'sü Dinarisch-alpine 290