Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 288 (sequence 21)
- Language
- German
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Julius Schiffer [Mauren?] und jeweils, wenn an solchen Stellen die nordische Komponente ausgetilgt war, ging die Kultur zurück. Noch heute ist ganz zweifellos der Einschlag nordischer Rasse in den Völkern Europas das, was sie zu Kulturträgern, zu Denkern, Erfindern, Künstlern macht". Man beachte, daß Fischer i. die hohen Kulturen durch nordische Bluteinkreuzung, nicht durch standisch abgeschlossene nordische Herrenschichten entstehen läßt, 2. seine These ausdrücklich auf Europa beschränkt und es als Schwärmerei abtut, alle Kulturen Yon Ägypten bis China oder gar bis Mexiko nordisch erklären zu wollen; während Günther z. B. die Gesittungsgüter der gesamten semitisch-babylonischen Welt noch auf Rechnung der angeblich nordischen Sumerer setzt, „mit deren Erbe die semitischen Babylonier noch einen langen Zeitraum hindurch eine hohe Bildungsstufe unterhalten konnten." Für die Griechen der geschichtlichen Zeit ist starke nordische Beimengung wahrscheinlich; die heutigen Griechen zeigen kaum mehr viel davon — genaueres wissen wir nicht! —, für die griechische Kultur und ihren Verfall mag demnach Fischers anthropologische Deutung eine ernst zunehmende Arbeitshypothese bleiber- — aber auch nicht mehr! Für die Römer und Inder ist die Annahme von vorne herein viel unwahrscheinlicher. Welch eine seltsame Sache übrigens, daß die nordische Rasse in ihrer Urheimat, wo sie seit vielen Jahrtausenden fast unvermischt gesessen hat, erst so spät zu höherer Kultur aufgestiegen ist, indes sie überall in der weiten Welt, oft in größter Verdünnung,, die bedeutendsten Kulturen entzündet haben soll! Ich ziehe aus dem von Günther beigebrachten prähistorischen Material, vorausgesetzt, daß mehr daran ist, als an seiner Sumererhypothese, den entgegengesetzten Schluß als er: wenn Kulturblüte überhaupt rassisch bedingt ist, so sicher nicht durch rassische Reinerhaltung einer schöpferischen Oberschicht, sondern durch intensive Kreuzung, wobei der nordischen Rasse in Europa eine besondere Bedeutung zukommen mag, wie ja kein Mensch ihre hervorragende Bedeutung bestreitet Geringere geistige Fruchtbarkeit in Unteritalien oder Spanien oder Schweden, gesteigerte Fruchtbarkeit in den zentralen Ländern Europas, ebenso wie in Japan, im alten Ägypten und Babylonien, scheint mir für die an sich nächstliegende Vermutung zu sprechen, daß Reinrassigkeit genialer Produktion abträglich, Rassenmischung dagegen günstig ist Zur selben Erkenntnis führt in Wahrheit ein vierter Weg, auf dem unsere Rassiker die einzigartige Schöpferkraft der nordischen Rasse beweisen wollten: die sog. anthropologische Typenforschung, wie sie von Woltmann ausgebildet 288