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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 287

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
Date
1925-08-01
Page
287 (sequence 20)
Language
German
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Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Bassenwahn reimt sich schlecht mit dem, was Strindberg von den schwedischen Inselbauern erzählt, und was man sonst von den „Franzosen der Ostsee", von dem „Land der schweren Trünke und der leichten Liebe" hört Von Friesland, unserem nordischsten Gau, hat ein berühmter deutscher Literaturhistoriker den Ausdruck geprägt, es sei „mit Blondheit geschlagen". Wieviel deutsche Genien hat dagegen das stark alpin verseuchte Schwaben oder Österreich oder die ganz „dunkle" Schweiz geboren 1 Was Herrschergeist und Führerbegabung betrifft, denke man einmal an Belgien, wo die nordischen Flamen bis heute völlig unter der politischen Oberherrschaft der ganz überwiegend alpinen Wallonen stehen. Für Italien hat Woltmann bekanntlich eine Proportionalität zwischen der Stärke nordischen Einschlags und der Hervorbringung genialer Männer nachweisen wollen; in Wirklichkeit hat er nur erwiesen, daß das fast rein mediterrane Unteritalien geistig wenig fruchtbar war, dagegen läßt sich für die auch in Oberitalien ganz überragende geistige Produktivität Toskanas keine rassische Erklärung geben. Der Hauptbeweis für das nordische Dogma wird aus Geschichte und Vorgeschichte erbracht, durch die sogenannte anthropologische Geschichtsbetrachtung. Sie spielt auch bei Günther die ausschlaggebende Rolle. Es ist eine unerquickliche Sache, Beweise für Tatsachen der Gegenwart aus der dunkelsten Vergangenheit erbringen zu wollen. Die Tatsache der indogermanischen Sprachverwandtschaft verlangt die Annahme eines indogermanischen Urvolks. Dieses soll eben die nordische Rasse sein. Mit dieser Hypothese wird die weitere Behauptung verknüpft, daß alle vergangenen Kulturen das Werk einer nordischen Eroberer- und Herrenschicht gewesen sei; daß diese Kulturen immer genau so lange blühten, als diese vielfach recht dünn gesäte Oberschicht sich abgesondert und rein erhielt, während durch Verwässerung und Versiegen des nordischen Blutes regelmäßig der kulturelle Untergang herbeigeführt wurde. Man kann mit Fischer die Frage, ob die Grundlage der indogermanischen Gesamtkultur (Sprache, Religion usw.) von der nordischen Rasse in der alten europäischen Urheimat geschaffen wurde, so umstritten sie noch ist, bejahen, und daraus den Schluß ziehen: „Die nordische Rasse hat jene eigenartige Begabung gehabt, die sie dazu befähigte: die Mischung der nordischen Einwanderer mit gewissen anderen Komponenten muß ein äußerst kulturfähiges, produktives, ja stellenweise darin geradezu glänzendes Menschenmaterial geschaffen haben;" man braucht aber nicht mit einzustimmen, wenn er fortfährt: „nur da wurde in Europa noch heute bewertetes Kulturgut geschaffen, 287

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