Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 286 (sequence 19)
- Language
- German
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Julius Schäffer Messungen in Potsdam, der Stadt der preußischen Garde und des preußischen Adels, bestätigen konnte, gibt es noch nicht einmal ioo/0 Langköpfe mehr im deutschen Volk, sehr im Gegensatz zu den alten Germanen, selbst wenn man die Ansprüche an einen Langkopf noch so sehr ermäßigt, wie es unsere Rassiker in ihrer Verzweiflung tun. Amnion, dem das auch schon aufgefallen, hatte angenommen, die Langköpfe seien eben durch ihr Aufrücken in die höheren Stände im Aussterben begriffen. Fischer neigt neuerdings dazu, die Verbreiterung des nordischen Schädels durch äußere Einflüsse zu erklären: sollte es nicht gerade die größere Beanspruchung des Gehirns sein, die den Schädel auseinandertreibt, da doch der Rundschädel bei gleicher Oberfläche das größere Gehirn faßt? Langschädeligkeit ist ja ein Merkmal grade aller primitiven Rassen! Und wenn etwas in einen Schmalschädel nicht, hineingeht, so ist es musikalische Begabung, die größere Geräumigkeit der Scbläfenlappen des Gehirns voraussetzt Ein anderes Verfahren, seelische Rassenfeststellungen zu machen, wäre der Schluß aus der vergleichenden Gau-, Stammes- und Volkspsychologie auf die Rassenpsyche. Man vergleiche etwa den nordischen Bauern in Schweden, in Deutschland, in England, in Frankreich (und vergesse nicht ganz den nordischen Kurden!): worin sie übereinstimmen und übereinstimmend sich unterscheiden von den entsprechenden alpinen Bevölkerungen, das mag als Rassencharakter in Betracht kommen. Es wäre sicher eine reizvolle Aufgabe, die Eigenart der deutschen Stämme auf ihre eigenartige Rassenmischung hin zu untersuchen; vielleicht ließen sich daraus Schlüsse auf die besondere Begabung der in Betracht kommenden Rassen ziehen, aber wohl kaum im Sinne Günthers^ Wenn Günther auf diese Weise z. B. die Unreinlichkeit der alpinen Rasse gefunden hat, dann möge er den Mut haben, es zu sagen und zu belegen. Wenn er eine solche Arbeit geleistet hätte, hätte er "ein Recht, sein Buch eine Rassenkunde des deutschen Volkes zu nennen. Das bekannte Wort: Friesus non cantat, zusammengenommen mit der geringen musikalischen Produktivität Englands, spricht nicht für die behauptete musikalische Begabung der Nordrasse, und das englische Versagen aus einem Rückgang an Nordrasse in England erklären zu wollen, ist ein kühnes Fechterstück. Daß Schweden, das nordischste Land Europas, mit 25o/o rein nordischer Menschen, was geniale Leistung, Heroismus usw. betrifft, nicht recht ins nordische Dogma passen will, ist den Dogmatikern selbst schon aufgefallen; und was Günther von der Tiefe nordischer Liebe, von der Kühle nordischer Geschlechtlichkeit sagt, 2S6