Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 285 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895455-2896064--00340-2896134- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Zerstörung des Volksgeflankens durch den Rassenwahn Rasse sind im allgemeinen lange nicht so hoch -wie die der nordischen, aber nach mancher Richtung auch besser entfaltet Neigung und Fähigkeit zu zäher, energischer Arbeit, nicht geringe Intelligenz zeichnet sie aus, ebenso gut entwickeltes Gemeinschaftsgefühl. Hoher Phantasieschwung fehlt, dagegen bringt es Fleiß, Energie und kluges Ausnützen der Verhältnisse zu Erfolg. Die Fähigkeit, Fremdes zu übernehmen und weiterzubilden, ist nicht gering, trotz großer Beharrlichkeit". Man halte diese Sätze neben Günthers Verstiegenheiten! Fragen wir nun nach wissenschaftlichen Methoden, seelische Rassenmerkmale festzustellen: Die exakteste Methode, einen Vorrang der einen Rasse vor der anderen zu erweisen, wäre der statistische Nachweis, daß bestimmte seelische Qualitäten mit bestimmten rassisch deutbaren körperlichen Merkmalen verknüpft seien. Arbeiten von Ammon, Rose u. a., die in dieser Richtung vorgingen, werden von Günther auch zum Teil als Beweis für seine Thesen! angeführt Aber man darf unsern Rassikern nichts, gar nichts, harmlos und treuherzig glauben. Rose will gefunden haben, daß je höher, verantwortlicher die Stellung, je mehr Intelligenz sie fordert, desto bedeutender die Körpergröße, desto größer und länger die Köpfe. Prüft man die Befunde Roses hinsichtlich der Köpfe, so ergibt sich etwas anderes, als was unsere Nordrassiker gerne wahr haben möchten: daß nämlich nur der Kopf umfang (der größere Schädelinhalt!), nicht die Kopfform (Lang- oder Rundkopf) im Verhältnis zur Intelligenz steht, und daß der größere Umfang vielfach gerade durch Verbreiterung des Schädels erzielt wird. Bezüglich der Körpergröße ist durch neuere Untersuchungen festgestellt, daß sie in weitem Ausmaß durch günstige Ernährung und andere Umwelteinflüsse, namentlich während der Wachstumsperiode, gefördert wird, also nicht nur Voraussetzung, sondern auch Folge sozialen Aufstieges ist Im übrigen, ist es wohl möglich, daß, wie der Adel, auch unsere höheren Stände stärkeren nordischen Einschlag haben, was immer noch eine Nachwirkung der vom Mittelalter konservierten rassischen und sozialen Schichtung der Völkerwanderungszeit sein könnte, ohne daß daraus Schlüsse auf höhere Begabung gezogen werden dürften. Daß der deutsche Adel, der zweifellos alle deutschen Stände an relativer Reinheit des nordischen Blutes überragt, nicht ein größeres Kontingent geistiger Koryphäen gestellt hat, spricht nicht sehr für die Annahme. Wäre der Langschädel, wie Chamberlaint wollte, die Grundlage'aller Genialität, so. wäre es schlecht um unser deutsches Volk bestellt; denn nach vielfachen Feststellungen, die ich auch durch 285