Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 283 (sequence 16)
- Language
- German
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Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Bassenwann sichtslos die Wahrheit zu sagen und die Dinge beim Namen zu nennen. Sehen wir uns darum zunächst den Wahrheitsbeweis für die aufgestellten Behauptungen an! Es scheint das auch notig angesichts der geistigen Verwirrung, die sein Buch bereits angerichtet hat Prüfen wir seine wissenschaftliche Legitimation! Er beruft sich darauf, daß er an der Grenze zwischen einem vorwiegend ostischen und einem vorwiegend nordischen Gebiet aufgewachsen sei und von Jugend auf diesem Gegensatz im deutschen Volk seine Aufmerksamkeit gewidmet habe. Wo hat er dieses Studium in wissenschaftlicher Form niedergelegt? Nirgends! Wenn die Anthropologie körperliche Rassenmerkmale feststellen will, dann werden Tausende von Messungen vorgenommen, Statistiken werden aufgestellt, graphische Zeichnungen entworfen, die Resultate werden in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht, das Für und Wider diskutiert, und so werden schließlich Ergebnisse gewonnen, die als einigermaßen gesichert nunmehr einem gebildeten Laienpublikum vorgetragen werden mögen. Das Vorgehen von Günther ist das unserer Wetterpropheten, die „auf Grund jahrelanger Beobachtungen des Zusammenhangs zwischen Mond und Wetter" einem kritiklosen Publikum eine Wetterprognose für 100 Jahre vorsetzen. IL!) Man wird die Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit, daß neben den körperlichen auch seelische Rassenunterschiede vorhanden sind, durchaus zugeben. Besonders an Temperamentsunterschiede wird man denken dürfen. Welch ein Unterschied zwischen dem südländischen und dem nordländischen Temperament! Man hat diese Dinge bisher vielleicht allzu einseitig aus Klima und Umweltwirkung erklären wollen. Vielleicht läßt sich erweisen, daß der im Norden erzogene Sprößling südlicher Eltern das Temperament des Südens im Blute trägt Immerhin gibt die Beobachtung, daß auch der nordische Franzose und Oberitaliener anderes Temperament erkennen läßt als der nordische Deutsche oder Engländer zu denken: die nationale Eigenart — oder bloß andrer Rasseneinschuß? — überdeckt teilweise den Rassencharakter. Auf alle Fälle wird es eine unendlich schwierige Arbeit sein, bei der heute vorhandenen Verwachsung der Rassen aus der gesamten Erbmasse das Beigebrachte jeder Rasse auszuscheiden. Man wird zunächst zufrieden sein müssen, elementarste Festi) Eilige Leser können diesen Abschnitt II, unbeschadet des Zusammenhanges, überspringen. 283 18*