Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 277 (sequence 10)
- Language
- German
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Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn „scheint es geradezu, als ob ihr eine gewisse Neigung zum Kniegang artgemäß wäre". Als ob der nordische pommersche Bauer anders ginge denn der ostische schwäbische! „Der ostische Gang kann vielleicht am besten als der eigentliche Spießbürgersgang bezeichnet werden . . . die Bewegung ist oft nur mürrische Andeutung eines Körperausdrucks. Dies gilt gleichsam bis in die Fingerspitzen hinein und scheint aus der stumpferen Handumrißlinie sprechen zu wollen." — „Es ist auffällig, daß z. B. mittelalterliche Maler ostische Körper zur Kennzeichnung häßlicher und bösartiger Menschen gebrauchen, etwa der Folterknechte und Quäler der Heiligen. So scheint unbewußterweise das ostische Körperbild als das unedlere zu gelten." Ausdrücke wie Quadratschädel, Dickkopf, können nur der ostischen Rasse entnommen sein, und „der Ausdruck »ein Brett vor der Stirn« paßt seinem Bildgehalt nach nur auf diese Schädel- und Gesichtsformen". Dabei beschreibt Günther selbst den alpinen Schädel als rund, die Stirn als steil und breit gewölbt, die nordische Stirn als kantig und flächig zurückgeneigt! — Das alpine braune Auge kann angeblich nicht blitzen, wie Hesselbacher in seinen „Silhouetten badischer Dichter" irrtümlich berichtet; es kann auch nicht wie bei Möricke die Rede sein vom „Spiegel dieser treuen braunen Augen, die wie von innerem Golde ein Widerschein!" Der Ausdruck des alpinen Auges ist „eher mürrisch, abgeschlossen dumpf und selbst bei klügerem Ausdruck nie eigentlich frisch". — Das dunkle Auge „blickt in der Erregung finster und drohend oder auch giftig; zornmütig blickt nur das nordische Auge", so steht neben dem Bild von Ludendorff zu lesen, und das muß der Blick gewesen sein, der schon den Römern Schrecken einjagte. „Die dunklen Augen blicken nur, das nordische schaut" — Jeder kennt in Deutschland das pausbackig runde vollblütige Gesicht, „breit und behäbig" wie es Vischers leibhaftige Natur" trägt Nur Günther nicht „Die ostische Haut macht den Eindruck einer minder belebten und minder durchbluteten, sie sieht oft wie abgestorben aus, auch in der Jugend... Was oft die Farbe blühender Gesundheit genannt wird, kommt eigentlich nur der Nordrasse zu, und daß diese blühende Farbe „wie Milch und Blut" fast jedem Europäer zum Schönheitsideal gehört, weist auf die nordische Herkunft des europäischen Schönheitsbildes hin... Nur die nordische Rasse kann man weiße Rasse nennen", sie isl auch die „blaublütige" von den durchschimmernden Adern. Sehr bezeichnend ist, daß Günther folgenden blühenden Unsinn, an den er selbst nicht glaubt, trotzdem nicht versäumt abzudrucken: „Man hat die Armut der nordischen Rasse an dunklerem Farbstoff erklären wollen aus einem Zu- 277