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Der Morgen · 1925-08-01 · Heft 3 (August 1925) · p. 276

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 3 (August 1925)
Article
Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
Date
1925-08-01
Page
276 (sequence 9)
Language
German
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Julius Schäffer der Barockzeit, trug häufig mehr die weichen und runden alpinen Züge, im deutschen Volkslied ist auffallend oft von den „schwarzbraunen Mägdlein" die Rede und selbst Günther entfährt einmal, an versteckter Stelle, das Eingeständnis der alpinen Mädchenschönheit, wenn auch nur einer „beautS de diable", die nur zu häufig nordische Jünglinge von ihrer Pflicht abwendig mache, nur nordische Jungfrauen zu freien. Jede Rasse hat Extreme, die unschön wirken, sie liegen bei der alpinen in Plumpheit und Fettleibigkeit, bei der nordischen, vielleicht seltener, in übertriebener Hagerkeit, geistlos langen Gesichtern, spitzen Nasen usw. Günther kennt nur die „fausses maigres"! Die meiste Häßlichkeit entsteht zweifellos durch Rassenkreuzung, durch unharmonische Zusammenstellung heterogener Merkmale: der „Bastardtyp". Aber nicht selten kommt es durch Bastardierung zu besonders reizvoller Schönheit, im Gegensatz zu rassereiner Schönheit, die man die Schönheit des Ei's nennen könnte. Sicher ist moderne Schönheit in ihrem tiefsten Sinne keine bloße Rasseschönheit mehr, sondern etwas seelisch Vertieftes, Kompliziertes, darum auch Manigfaltigeres, Individuelleres, Eigenartiges, Einzigartiges. Man denke an Goethe. Aber selbst Beethoven mit seinem alpinen „Muffelgesicht" wurde von Klinger zum Prototyp des ringenden Menschengeistes, zum Titanen und Olympier gestaltet. Wo bleibt in diesen Höhen menschlichen Geistes die Rasse und ihr Wahn? — Eine in Schweden preisgekrönte nordische Rassenschönheit, deren Bild Günther wiedergibt, empfinde ich als langweilig, als Kostümpuppe oder Odolgesicht Aber das ist eben nach Günther das Zeichen unserer rassischen Degeneration, unserer Bastardnatur, ebenso wie es die problematischen Naturen unserer Dichter sind. Eindeutige Menschen müssen wir wieder werden, so im Körperlichen wie im Geistigen. Ein junger Mensch, der Günthers Buch im empfänglichen Alter gelesen hat, wird gewiß nur noch durch die nordische Schönheitsbrille sehen, z. B. nur noch blonde Haare und blaue Augen oder auch graue Augen schön finden, schwarze Haare und Augen dagegen häßlich. Er wird am Gang der nordischen Rasse nie mehr eine gewisse Steifheit bemerken, die den beweglicheren Südländern am Engländer und Norddeutschen auffällt, sondern nur noch eine „gewisse Freiheit des Ausdrucks, die sich selbst in jeder Handbewegung zeigen kann. Jeder Muskel, jeder Finger bewahrt einen gesonderten Eigenwert.. Es entsteht ein gewisser Eindruck beherrschter Freiheit, der Eindruck adeligen Wuchses, ruhig bestimmten Herrschens... Leicht wird das Gehen der nordischen Rasse zum Schreiten". Dagegen von der alpinen Rasse 276

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