Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 275 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn Fischer hatte 1921 im „Grundriss der Rassenhygiene" die etwas mysteriöse Bemerkung gemacht: „auch das Geschick, das das deutsche Volk gegenwärtig erlebt, hat seine anthropologische Ursache". Diesem Wort, das man, im Lehmannschen Verlag gedruckt, auch antisemitisch verstehen konnte, gibt Günther eine Deutung gegen die alpine Rasse, die er ihrer vermuteten mongolischen Herkunft nach als „ostisch" bezeichnet Deutschlands Erneuerung verlangt eine Änderung seines entnordeten, ver-osteten Blutes. Die Aufgabe heißt: „Wiederaufnordung". Damit wird der Rassenkampf, der bisher nur an der Peripherie des deutschen Volkes, gegen den „fremdstämmigen" kleinen jüdischen; Bruchteil tobte, ins innerste Herz des deutschen Volkes verlegt Der Antisemitismus tritt zurück, an seine Stelle rückt: der Anti-ostismus. Es gibt im deutschen Volk Schöne und Häßliche, Gute und Böse, Helden und Krämer, Idealisten und Banausen, Genies und Nachtwächter, es gibt Herren und Knechte, Adlige und Proleten, Aristokraten und Demokralen, Patrioten und vaterlandslose Gesellen; es gibt Protestanten und Katholiken: alle diese Gegensätze „scheinen" rassisch „bedingt" zu sein, auf den Gegensatz nordischer und ostischer Rasse im deutschen Blut zurückzugehen! Das ist Günthers Entdeckung. Aber Günther fällt nicht mit der Tür ins Haus. Er gibt brav und bieder, ganz wissenschaftlich der Reihe nach, erst eine körperliche Beschreibung aller fünf europäischen Rassen, so genau, wie sie noch nie gegeben wurde, bis in die Fingerspilzen und Haarwurzeln. Darnach „versucht" er in gleicher Reihenfolge und Vollständigkeit eine ebensolche seelische. Die körperliche Beschreibung ist so gehalten, daß sich die seelische fast von selbst daraus ergibt Seine Methode hat die „Beweiskraft" künstlerischer Intuition. Es ist nicht zu leugnen, daß der nordische Körper dem alpinen an Schönheit in vieler Hinsicht überlegen ist Das bedingt von vornherein ein günstiges Vorurteil. Das griechische Schönheitsideal kann nordisch, kann freilich auch mittelländisch gedeutet werden — der Neapeler Anthropologe Sergi beansprucht für die Mittelmeerrasse den Schönheitspreis und Victor Hehn schreibt i84o in seiner „Italienischen Reise": „Ganz allgemein gesprochen ist der Mensch in Italien von schönerer und edlerer Rasse als der germanische Nordländer". Größe und Schlankheit, schmales Gesicht und scharfes Profil sind, so wird man vorsichtig sagen dürfen, bei der Nordrasse günstige Vorbedingungen für Entstehung von Schönheit Aber das Schönheitsideal war zu verschiedenen Zeilen verschieden; besonders das Frauenideal, bei den Kölner Madonnen, in 275