Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 273 (sequence 6)
- Language
- German
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Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn immer erkenne, festzustellen. Man denke an den körperlichen Unterschied zwischen Sephardim und Aschkenasim! Man erkennt die Juden nicht an einem (NB. erblichen!) Zug, der allen Juden gemeinsam wäre, sondern au verschiedenen und immer wieder anderen Merkmalen, die sie von ihrer jeweiligen Umgebung unterscheiden. In Nordeuropa fallen sie am meisten auf durch tief brünette Farben und dinarisch-vorderasiatische Nasen; aber in Polen gibt es nach Günther bis 3oo/o blonde jüdische Schulkinder, in Deutschland hat man statistisch unter den jüdischen Schulkindern no/o „rein blonde" festgestellt; sie haben also in Deutschland ebensoviel nordisches Blut als die Schweizer oder die Bayern, und mit den Bayern haben sie durch den gemeinsamen dinarisch-vorderasiatischen Einschlag besondere verwandtschaftliche Beziehungen!x) Kräuselhaare und wulstische Lippen, also vielleicht negroider Einschlag, die nach unseren Antisemiten zur unentbehrlichen Ausrüstung des Rassejuden gehören, finden sich nach Günther bei io/o, also nicht häufiger als in ganz Südeuropa. In Südeüropa sticht das jüdische Aussehen viel weniger ab, und ganz unmöglich wird die Unterscheidung auf dem Balkan, wenn dort nicht etwa eingewanderte Ostjuden durch ihre Blondheit sich als Juden verraten. Das jüdische „Volk", wenn man von einem solchen heute noch sprechen darf, stellt also ein sehr wechselndes Gemisch aus allen europäischen Komponenten dar, das um die mittelländische Komponente reicher und an vorderasialisch-dinarischem Einschlag stärker als das deutsche Volk ist; aber „europafremd" — kann bloß Ignoranz es nennen oder böser Wille. Damit vergleiche man die stereotype Redensart unserer Antisemiten von „niederen Rassen wie Australier, Juden oder Neger"! Man sieht, die politische Rassentheorie befindet sich entschieden in einer Krisis, sowohl was die Juden, als auch was das deutsche Volk angeht Man! durfte auf den neuen Chamberlain gespannt sein. Dieser neue Chamberlain' ist heute da. Es ist Dr. Hans Günther mit seiner, im Lehmannschen Verlag erschienenen, harmlos wissenschaftlich betitelten „Rassenkunde des deutschen Volkes", die seit 1922 bereits sechs große Auflagen erlebt hat und heute wohl als das Standardwerk der ganzen Richtung bezeichnet werden darf. Das Buch ist gut geschrieben; der Verfasser ist ein ästhetisch feinsinniger, wissenschaftlich vielseitig gebildeter jüngerer Mann mit schriftstellerischen Qualitäten, der es versteht, seine Glaubenslehre in ein wissenschaftliches Gewand zu x) Man sehe sich daraufhin einmal das Bild des Führers der bayrischen Volkspartei ani 273