Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 272 (sequence 5)
- Language
- German
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Julius Schäffer ebenso unterschätzt, wie er den dinarischen mit i5o/o weit überschätzt Im großen Ganzen wird man das deutsche Volk anzusprechen haben als eine nordisch-mongoloide Mischung, um nicht zu sagen Bastardierung. — Und nun wende man auf das deutsche Volk einmal all das an, was seit Gobineau und Chamberlain über Bastardierung geschrieben worden ist „Andauernde Promiskuität unter zwei hervorragenden Tierrassen führt ausnahmslos zur Vernichtung der hervorragenden Merkmale beider"; „ein Bastardhund ist sittlich stets ein Lump" (Chamberlain); oder man denke an Dinters „Sünde wider das Blut": 95o/o aller Deutschen verdanken einer solchen „Sünde" ihr Dasein! In Norddeutschland spricht man seit langem von slavischem, in Süddeutschland von keltischem Einschlag und weiß auch längst, daß es sich dabei nicht bloß um einstige sprachlich-nationale, sondern um heute noch sichtbare körperliche Unterschiede handelt Chamberlain war es, der für dieses Bewußtsein der Rassenmischung im deutschen Blut die Deutung fand, hier handle es sich um lauter indogermanische, also nah verwandte Bluteinschläge und auf die treffe die alte Erfahrung des Pferdestalles zu, daß edleres Blut neben Inzucht gelegentlicher Hereinkreuzung verwandter Stammbäume zur Blutauf frischung bedürfe; ganz im Gegensatz zum jüdischen Volk, das ein Bastardvolk aus zwei so heterogenen Elementen wie dem arabischen und hettitischen darstelle und das geheime Bewußtsein dieser Blutschande tief im Geblüt trage. Nun ist der verwandtschaftliche Abstand zwischen nordischer und alpiner Rasse ganz gewiß nicht geringer und der körperliche Unterschied eher größer als der zwischen dinarisch-vorderasiatischer und mittelländisch*-orientalischer, Rasse, den Grundbestandteilen des alttestamentüchen Volkes, und es bleibt den Antisemiten nichts anderes übrig, als entweder ihre Vorwürfe gegen die Juden fallen zu lassen oder sie auf das deutsche Volk auszudehnen: eine Entscheidung, auf die man gespannt sein dürfte. Auch sonst sind die meisten anthropologischen Stützen des Antisemitismus zusammengebrochen. Es gibt, wie gesagt, weder eine semitische, noch eine jüdische Rasse. Die Juden sind wie die Deutschen ein Rassen gern isch, nur noch ein viel weniger gleichmäßiges, da sie mit den verschiedensten Völkern, unter denen sie wohnen und wohnten, Blutmischungen eingegangen sind. Daran scheitert der neuerliche Versuch Günthers, die Juden als eine „sekundäre", durch bewußte Inzucht aus den verschiedensten Rassenelementen zusammengeschweißte, homogenisierte Rasse hinzustellen, ebenso kläglich wie die Versuche, das allen Juden gemeinsame Merkmal, woran man „den" Juden 272