Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 269 (sequence 2)
- Language
- German
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J. Schaff er: Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn Sprache noch mit Volk verwechselt werden, sondern „unter Rasse versteht die Anthropologie eine größere Gruppe von Menschen, welche durch den erblichen Gemeinbesitz eines bestimmten angeborenen körperlichen und geistigen Habitus untereinander verbunden und von anderen derartigen Gruppen getrennt sind" (Große). Der Ton liegt auf der durch Zeugung vermittelten Erblichkeit Der erbliche Gemeinbesitz einer Rasse läßt sich nun für die naturwissenschaftliche Betrachtung in eine Summe von Merkmalen, vor allem körperlicher Art, zerlegen, die mosaikartig das Gesamtbild der Rasse aufbauen.1) Bei Kreuzungen vererben sich die einzelnen Merkmale selbständig nach gewissen, exakt feststellbaren Gesetzen, und es ist darum, wenn die Zugehörigkeit der einzelnen1 Merkmale zu bestimmten Rassen bekannt ist, prinzipiell jeder Mensch auf seine rassische Zusammensetzung hin analysierbar. Dadurch bekommt die Anthropologie auch bei größter Rassenmischung festen Boden unter die Füße, während die politischen und kultui^hilosophischen Rassenkonstruktionen eines Gobineau oder Chamberlain im Wesentlichen auf dem schwankenden Boden vorgeschichtlicher Hypothesen aufgebaut sind und so jenes Gefühl des Mißbehagens erzeugen, das jeden ehrlichen Wahrheitssucher mit Mißtrauen und Widerwillen gegen alles, was mit Rasse zusammenhängt, erfüllen muß. Wer gegen die Rassenkrankheit kämpfen will, wird gut tun, der Rassen Wissenschaft seine Aufmerksamkeit zu schenken. Ich bin überzeugt, daß die Rassenwissenschaft dem Rassenwahn den Garaus machen wird. Nun kann freilich noch keine Rede davon sein, daß die Wissenschaft von den europäischen Rassen endgiltig abgeschlossene Ergebnisse gezeitigt hätte. Es ist fast alles noch im Fluß. Aber eines steht jedenfalls fest: daß es sich in Europa nicht um eine einheitliche nach außen abgrenzbare Rasse handeln kann, wenn auch innerhalb Europas eine gewisse Angleichung der zusammenlebenden Rassen erfolgt sein mag. Für einigermaßen gesichert darf man die Unterscheidung von vier (oder fünf) Rassen halten: Die nordische, ziemlich rein noch um Nord- und Ostsee, besonders in Schweden, aber auch in Nordwestdeutschland und Nordostengland, nach Süden zu mehr und mehr gemischt, aber noch in Süditalien 6o/0 der Blutmischung ausmachend; die mittel- Die noch zu wenig geklärte Frage, ob das Bild der Rasse sich nicht durch äußere Einflüsse erblich verändere, kann hier außer Betracht bleiben. In so großem Ausmaß und so schnellem Tempo, wie der Laie es sich vorstellt, finden solche Veränderungen sicher nicht statt, wenn auch die völlige Leugnung solcher „Vererbung erworbener Eigenschaften" bei den Naturwissenschaftlern auf theoretischem, bei den Rassenfanatikern auf politischem Dogmatismus beruht. 269