Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 3 (August 1925)
- Article
- Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn
- Date
- 1925-08-01
- Page
- 268 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Zerstörung des Volksgedankens durch den Rassenwahn Eine Abrechnung mit H. Günther, Rassenkunde des deutschen Volkes Von Julius Schöner L Die Rasse ist des nationalen Glaubens liebstes Kind. Und doch nur ein angenommenes, um nicht zu sagen untergeschobenes Kind. Der nationale Gedanke stammt aus der Sphäre des Humanismus und Idealismus, seine wissenschaftliche Nahrung zieht er aus der Historie; der Rassengedanke stammt aus den mechanistischen Zusammenhangen des darwinistischen Zeitalters, zu Hause ist er in der Anthropologie. Die Anthropologie ruht an deutschen Universitäten fast durchweg in den Händen von Medizinern; ihr Gegenstand ist vorerst der menschliche Körper, sie ist also heute noch im wesentlichen eine naturwissenschaftliche Disziplin und verdankt ihre unleugbaren Erfolge durchaus naturwissenschaftlichen Methoden. Die Vorliebe des nationalen Glaubens für den Rassenbegriff entspringt anthropologischer Unkenntnis. Es ist erstaunlich, mit welchem Minimum anthropologischer Erkenntnis der politische Rassengedanke arbeitet Während die anthropologischen Rassenvorstellungen sich seit einem Menschenalter gewaltig gewandelt haben zehren unsere Rassenfanatiker im Grunde immer noch, wie ihr geistiger Ahne, der Katholik Gobineau, von den anthropologischen Vorstellungen der alten Juden, deren Gesichtskreis sich mit Sem, Harn und Japhet erschöpfte. Die „arischen" und „semitischen", vollends die germanischen, romanischen, jüdischen „Rassen" des politischen Kampfes sind in der Wissenschaft längst keine Rasse mehr, sondern Sprach- und Volksgemeinschaften. Rasse aber darf weder mit 26S