Mannheim
Compact Memory

Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 228

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Das "Judaistische Institut" in Jerusalem
Date
1925-06-01
Page
228 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
99% known words query
IRI
…/2895450-2895451-2895454-2895908--00265-2896037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I. Elbogen haupt aber wurde empfohlen, ihre Einrichtung auf einige Zeit nach der Eröffnung der Universität zu verschieben, bis „die Art der neuen jüdischen Siedelung in Palästina und ihre religiöse und politische Struktur bereits in den Umrissen erkennbar ist" Man muß sich diese Anregungen — mehr wollten sie kaum sein — gegenwärtig halten, um zu verstehen, was jetzt geschehen ist Das Unglaubliche ist Ereignis geworden- Eine im Sommer 1924 von der Zionistischen Organisation berufene Kommission zur Vorbereitung des Plans für eine geisteswissenschaftliche Fakultät kam zu dem Ergebnis, daß von der Errichtung einer geisteswissenschaftlichen Fakultät abgesehen und nur ein judaistisches Institut eröffnet werden sollte, daß auch dieses nicht als Teil der Universität, sondern nur in Verbindung mit der Universität wirken und alle Gebiete jüdischen Wissens mit Ausnahme der Bibel behandeln sollte. Das bedeutet eine völlige Kapitulation vor der Orthodoxie, ja noch weit mehr, da diese es niemals für möglich gehalten hätte, ein Fach wie die Bibel von der Behandlung an einem jüdisch-wissenschaftlichen Institut gänzlich auszuschließen. Ein solches Vorgehen heißt Vogel-Strauß-Politik treiben. Eine Sache verliert nicht dadurch an Bedeutung, daß der andere sich nicht um sie kümmert „Bekämpfen" kann man die Bibelwissenschaft nur, wenn man mit der gleichen Energie sich der Lösung der mit der Bibel verknüpften Fragen widmet Die Ergebnisse der Bibelwissenschaft mögen einem gefallen oder nicht, unbestreitbar ist der ernste Drang nach Ermittelung der Wahrheit, das hingebungsvolle Streben nach Klarheit, das sie erfüllt und unbedingte Bewunderung verdient Erst wenn man der grandiosen Arbeit der Bibelwissenschaft eine Leistung von annähernd ähnlicher Bedeutung an die Seite zu stellen hat, erwirbt man das Recht, über die bisherige Arbeit ein geringschätziges Urteil zu fällen. Wie alles Menschenwerk ist auch das Bibelstudium dem Irrtum unterworfen, aber gerade das ist der Beruf der wissenschaftlichen Forschung, daß sie keinen Abschluß kennt, daß sie den Mut hat, ihren Irrtum zu erkennen und zu überwinden — und gerade die Bibelforschung macht seit einiger Zeit eine solche Krise durch, in der alte, scheinbar unerschütterliche Positionen einer Nachprüfung unterzogen werden. Nicht freilich irgend einem Dogma zu Liebe, sondern weil die Wissenschaft inzwischen nicht stillgestanden, weil sie neue Tatsachen, neue Beobachtungen, neue Gesichtspunkte gewonnen hat Die Ergebnisse der Ausgrabungen im vorderen Orient, die Fortschritte der vergleichenden Sprach- und Literaturforschung, die bessere Schulung des Denkens und Arbeitens sind 228

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.