Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Das "Judaistische Institut" in Jerusalem
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 227 (sequence 2)
- Language
- German
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I. Elbogen: Das „Judaistische Institut" in Jerusalem. Bestrebungen in den Vordergrund rückte, den Beschluß faßte, daß mit den Vorbereitungen für die Gründung einer Universität in Jerusalem mit hebräischer Unterrichtssprache begonnen werden sollte. Damals lag die Ausführung des Beschlusses noch in weiter Ferne, der Ausgang des Weltkrieges und das Inkrafttreten der Balfour-Deklaralion rückten die Verwirklichung näher; im Juli 1918 erfolgte die Grundsteinlegung für das Universitätsgebäude, und am 1. April soll dasselbe feierlich eröffnet werden. Wenn die Zionistische Exekutive einmal die verschiedenen Vorschläge für die Einrichtung der Universität der Öffentlichkeit unterbreiten wird, werden sie ein für die Methodik der Wissenschaften sehr lehrreiches Material ergeben. Gelehrte von Weltruf und anerkannte Pädagogen haben an der Beratung der Pläne teilgenommen. Es verdient Beachtung und Anerkennung, daß von der sofortigen Einrichtung einer vollen Universität abgesehen und beabsichtigt ist, sie aus Forschungsinstituten sich organisch entwickeln zu lassen und dabei den Bedürfnissen des Landes sowie den zur Verfügung stehenden Mitteln und Kräften tunlichst Rechnung zu tragen. In erster Reihe schien der Ausbau der naturwissenschaftlich-medizinischen Fächer erforderlich. So wurde auch mit der Schaffung eines biochemischen Instituts unter Leitung des Hallenser Professors Fodor, eines Mitarbeiters von Prof. Abderhalden, begonnen, das nunmehr die Keimzelle für die Universität bildet Aber auch unter den geisteswissenschaftlichen Fächern erschienen einige von besonderer Dringlichkeit, in erster Reihe diejenigen, welche sich mit den beiden hauptsächlichsten Sprachen und Kulturen des Landes, der jüdischen und der arabischen, befaßten. Es bildete sich ein Komitee in Jerusalem, das die Einrichtung von Hochschulkursen in diesen Fächern anstrebte und auch mit namhaften jüdischen Gelehrten bereits Verhandlungen wegen Übernahme einer Lehrtätigkeit anknüpfte. Greifbare Gestalt konnten auch diese Pläne erst gewinnen, als eine amtliche Stelle, die Exekutive der zionistischen Organisation, die Fäden der verschiedenen, nebeneinandergehenden Bewegungen aufnahm und vereinigte. Bevor noch die Einzelheiten der Universitätsorganisation feststanden, meldete man von orthodoxer, oder, wie es jetzt meist heißt „thoratreuer" Seite Bedenken gegen die geisteswissenschaftliche Fakultät an. Um die kritische Richtung nicht auszuschließen und doch den orthodox gerichteten Massen den Anstoß einer radikalen Wissenschaft und Lehre zu ersparen, sollte diese Fakultät nur in einem losen Zusammenhang mit dem Gesamtverband der Universität stehen und den religiösen Organisationen überlassen werden. Über- 227