Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 204 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob Sünde." Diese sind hier demütigend genug einem Tiere übertragen. Die Schlange ist also die dichterisch-lehrhafte Verkörperung der dem Gebot widerstrebenden sinnlichen Begierde. Dazu konnte kein geeigneteres Tier gewählt werden als die Schlange. Keines ist der irdischen Natur des Menschen, die ihn in den Staub ziehen will, verwandter, denn sie lebt ganz, an die Erde gefesselt, im Staube. Sie ist die niederziehende Begierde. Die Schlange ist der Bauch. Das Grade meidend, glatt und geschmeidig sich windend mit wiegenden Bewegungen schleicht sie sich unvermerkt heran, mit lüsternem Züngeln flüsternd verlockend und betörend, scheinbar ungefährlich und doch mit tödlichem Gift unter der Zunge. Sehr fein ist der Spott: sie war klüger als alles Getier. In ihrem Bereich ist die Begierde sehr schlau, und doch ist skim Staube kriechend und Höheres nicht verstehend dumm wie der Materialismus überhaupt Sie ist ein „dummer Teufel", der schließlich doch betrogen wird, so schlau auch sein Plan eingefädelt war. Die Schlange ist also ein Symbol wie es Adam und Eva als Vertreter der Menschheitsidee selbst sind, dann aber spricht die Erzählung von ihr wie von einer wirklichen Schlange, und darin liegt mit das Geheimnis ihrer künstlerischen und pädagogischen Wirkung. Sie wird greifbar und lebendig und ist nicht bloß ein blasser Gedanke. Meisterhaft ist nun und von tiefster Seelenkunde zeugt die Erzählung, wie die Verführung ihre listig-lockende Rede führt, wie das Gelüste wächst, wie erst das Weib und dann der Mann die verbotene Frucht nimmt, wie nach vollbrachter Tat das Gewissen in Furcht und Scham erwacht, und Gott Gericht hält über jeden der Schuldigen. Ewig, so lange es Menschen gibt, werden seine Urteile in jedem Herzen widerhallen. Zur Schlange: Auf deinem Bauche sollst du kriechen alle Tage deines Lebens! zum Weibe: Mit Schmerzen sollst du Kinder gebären! zum Manne: Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen! Jedes Wort darf die Erklärung auf die Goldwage legen und wird es von vollgewichtigem Gehalt finden. 7. Hier dürfte denn auch der Ort sein, einem großen Irrtum zu begegnen. Man findet vielfach die Neigung, diese Erzählung als kindlich und naiv zu bezeichnen und führt dafür besonders die vermenschlichende Art an, in der von Gott gesprochen wird: er bildet den Menschen aus Erde gleich einem Werkmeister, er haucht ihm Odem ein, pflanzt einen Garten, nimmt den Menschen und setzt ihn hinein, führt ihm die Tiere herzu, bildet das Weib aus einer Rippe des Mannes, ruft die Menschen, spricht mit ihnen verbietend und richtend, macht ihnen selbst Gewänder, bevor er sie vertreibt Aber in 204