Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 202 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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B. Jacob sie zu Einem Wesen werden. Das ist der Hochgesang der Thora auf das Verhältnis von Mann und Weib, das erste Hohelied der Liebe. Es ist bedeutsam und ein weiteres Zeugnis des unverfälschten Sinnes der Thora für das allein und ewig Wahre, d. i. für ihren Offenbarungsgeist, daß sie keine andere Institution der menschlichen Gesellschaft, z. B. eine politische wie das Königtum, von Gott gestiftet sein läßt und den ewigen Ordnungen der Schöpfung gleichstellt als allein die Ehe. Bei den Babyloniern ist das Erste, was ihre Priesterschaft die Götter auf Erden bauen läßt, ein Tempel oder ein Palast. Der erste Tempel, den der Gott der israelitischen Thora baut, ist die Ehe. Sie erwächst aus der Sehnsucht des Menschen nach einem Wesen gleicher Art und Würde, das doch nicht eine Wiederholung seiner selbst sei, einer Ergänzung, einer Hilfe, einem Lebensgefährten. Er hat es tief gefühlt, daß er allein noch nicht der ganze Mensch sei, und im Weibe begrüßt er beglückt was ihm fehlte. Indem sein Freudenruf dies bezeugt und Gottes Schöpfung bestätigt, hat er sich gleichsam selbst das Weib geschaffen. Und kann die Gleichwertigkeit des Weibes mit dem Manne und die unlösliche Lebensgemeinschaft sinniger und zugleich kräftiger ausgedrückt werden als daß sie nichts anderes als ein Stück von ihm ist? O welches Wunder! Das Weib, es war nicht seine Schwester — an wen konnte er unzerreißbarer geknüpft sein als an Vater und Mutter, aber wenn er gefunden hat, die seine Seele liebt, dann stiftet sich durch Herzensgemeinschaft eine Verwandtschaft, inniger und fester, als durch die nächste Blutsverwandtschaft Es sind nicht mehr Zwei, sie sind Eins geworden. Gemüt eint fester als Geblüt „Stark wie der Tod ist die Liebe, mächtiger als das Grab die eifervolle. Ihre Pfeile Feuerpfeile — eine Grotteslohe. Alles Wasser vermag nicht die Liebe zu löschen und Ströme schwemmen sie nicht fort Wollte einer auch alle Schätze seines Hauses geben, Liebe zu kaufen, verlachen würde man ihn." Der Beruf des Weibes aber wird nicht würdiger, kürzer und erschöpfender beschrieben werden können. Fast könnte man sagen, daß hier der Mann das „schwächere" Geschlecht sei, denn er ist es, der einer Hilfe bedarf. Oder es ist doch, sie leisten zu können, die eigentümliche Stärke des Weibes. 6. Und doch ist es das Weib, das ihn zu Falle bringt Sie ist eine Gabe wie Vernunft und freier Wille, ein edelstes Gottesgeschenk, das er sich aber auch zum Unheil werden lassen kann. Sie verführt ihn, das göttliche Gebot zu übertreten, nachdem sie sich selber von der Schlange hat verführen lassen. Von dieser also und ihren Reden geht die Verführung aus. Was diese ganz 202