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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 201

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-06-01
Page
201 (sequence 7)
Language
German
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Einführungen in das erste Buch Mose das elementarst« und steht im Zentrum aller menschlichen Begehr ungen. An ihm kann der Mensch ganz Tier werden, an ihm seine Tierheit verleugnen. Denn Genießen macht gemein und Nichts bedürfen ist göttlich. Religion ist Selbstbeherrschung, Selbstverleugnung, Fastenkönnen. Darum ist das erste gottliche Gebot eine Beschränkung des Genusses, ein Essensverbot, ein „Speisegesetz", und steht der Baum in der Mitte des Gartens. Er heißt der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse. Gut oder Böse ist, was frommt oder Unheil bringt Das ist der Gehorsam oder Ungehorsam gegen das göttliche Gebot Sie bedeuten Leben oder Tod. Dies erkennt der Mensch an seinem Verhalten gegen das Gebot Die Übertretung des Verbotes „öffnet die Augen", die Sünde macht wissend — um die eigene Schwäche und um den Preis der Lust, die verlorene Unschuld. 5. Die Gefahr, sich einen Gott zu dünken, hätte Adam besonders dann gedroht, wenn er der einzige Mensch auf Erden geblieben wäre und sich mit Recht für unvergleichlich halten durfte. Es ist auch darum, daß Gott der Herr sprach: „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei, ich will ihm eine Hilfe machen, ihm ein Gegenstück." Hier ist nun wiederum die tiefe göttliche Weisheit zu bewundern, wie dies ins Werk gesetzt wird. Gott fragt den Menschen nicht gradezu, ob er sich eine Hilfe wünsche und wie sie beschaffen sein solle. Er läßt ihn vielmehr erst recht seine Unvergleichlichkeit inne werden, aber grade die Art, wie dies geschieht, läßt ihn doppelt schmerzlich seine Einsamkeit fühlen. Er führt ihm erst alle Tiere vor, daß er sie „mit Namen benenne", d. h. ihr Wesen betrachte, beurteile und ausspreche, womit er zugleich die Sprache hervorbringt Und diese Prüfung schließt mit einer Erkenntnis, die ihn mit höchstem Stolze erfüllen könnte, wenn sie nicht zugleich von einem Gefühl unendlicher Traurigkeit und Sehnsucht begleitet wäre. Alle Wesen sind gesellt und gepaart mit Ihresgleichen, nur der Mensch hat nicht Seinesgleichen und findet unter den anderen Keinen — Keinen, mit dem seine Seele einen Bund schließen könnte, in dem er sich selber wiederfände. Der Alleinherrscher ist einsam und darum das ärmste der Geschöpfe. Da versenkt Gott der Herr ihn in einen tiefen Schlaf und bildet aus einer seiner Rippen das Weib, und da der Mensch erwacht und sie voll Entzücken erblickt, ruft er freudig aus: „Diese endlich ist Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch — diese soll Männin heißen, denn vom Manne ist sie genommen." Darum — fügt die Schrift hinzu — verläßt der Mann Vater und Mutter und folget seinem Weibe, daß 20t

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