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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 200

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-06-01
Page
200 (sequence 6)
Language
German
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B. Jacob die von meinen selbstischen Regungen ungetrübte Klarheit, Bestimmtheit und gebieterische Majestät einer unausweichlichen Forderung. Darum ist es „Gott der Herr", der das Gebot gibt Das Gewissen, die innere Stimme, das moralische Gefühl ist nur sein Echo. Das Gesetz soll nicht als menschliches Befinden sondern als ein höherer heiliger Wille begriffen werden. „Mensch" bedeutet Nicht-Gott Menschsein heißt Gott gehorchen. Aber dieses göttliche Gesetz ist nicht willkürlich und tyrannisch, unnatürlich und vernunftwidrig, sondern ebensowohl der menschlichen wie der göttlichen Natur entsprechend. Die hl. Schrift kennt nicht den heidnischen Neid der Gottheit Ihr Gott hat vom Menschen, seinem Geschöpf, nichts zu fürchten und bedarf seiner nicht Er will nur, daß er sich nicht — zu seinem eigenen Verderben — Gott dünke und daß er nicht zum Tier werde. Die Persönlichkeit des Menschen hat nur in Gott ihr Gleichnis, aber Eins können sie nicht werden. Das „Alte Testament" ist aufs Tiefste davon durchdrungen, daß zwischen Gott und Mensch eine Kluft besteht, die ebensowenig überschritten werden kann wie es die zwischen Mensch und Tier werden darf. Es gibt eine Sehnsucht nach Gott, und sie ist unser eigentliches Leben, die vom gotteingehauchten Odem in uns genährte Flamme, die nach oben strebt, aber nicht ein Eingehen in Gott Der Himmel ist zu hoch. Darum ist die biblische Religion eine Gesetzesreligion im Gegensatz zum Pantheismus, dem Alles Eins ist und der Mystik, die schon auf Erden den Himmel erreichen und sei es durch Erkenntnis, sei es durch selbstentrückte Übungen und innere Schau mit Gott eins werden zu können glaubt Beide scheiden nicht zwischen Ich und Du, Gebieten und Gehorsam. Ihr Wesen ist Vermischung, das der israelitischen Religion die Schranke: Tritt nicht zu nahe — dem Sinai, dem Heiligen! Denn wer du auch seiest, du bist nicht heilig. Du bist ein Staubgeborener und Mensch. Der Weg, nicht bis zu Gott, sondern zu Gott hin, die Betätigung der Sehnsucht nach ihm ist das Gesetz, die Erfüllung des göttlichen Willens, weil es Gottes Wille ist Gottesfurcht und Gottesliebe ist eins. Sie geben, zwar nicht Einigung in Gott, aber Einheit mit Gott, einen ruhevollen Herzensfrieden in ehrfürchtiger Selbstbeherrschung. Und auch zum Tiere, will Gott und sein Gesetz, soll der Mensch nicht werden. Der tierischste, aber natürlichste und mächtigste, nie absterbende Trieb ist das Begehren nach Nahrung. Man beliebt, dieses Bedürfnis als eine gleichgültige niedere Funktion in einen Winkel der menschlichen Interessen zu verweisen und meint, die Religion und das göttliche Gebot müßten sich zu vornehm halten, sich damit zu befassen. In Wahrheit ist es 200

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