Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 199 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Einführungen in das erste Buch Mose licli unterscheidet er sich anbedingt, durch den aufrechten Gang, den kein anderes Wesen hat, die Bildung seiner Hände, sein Gehirn, den Gang seiner Entwicklung. Ja, jedes Organ unterscheidet ihn, sodaß man nie im Zweifel war, ob ein Knochenfund von einem Tier oder einem Menschen stamme. Aber überwältigend war zu allen Zeiten und wird immer bleiben der Eindruck der unermeßlichen Überlegenheit seines Geistes, die sich in Fähigkeiten und Leistungen wie Vernunft, Sprache, Ich-Bewußtsein, Denkfähigkeit, moralischem Gefühl, Bildungsfähigkeit, Fortschritt, bewußter Technik, Kunst, Wissenschaft, Religion äußern. Konnte dies bündiger und erhebender ausgedrückt werden als durch das „Ebenbild Gottes", den „von Gott eingehauchten" Odem? „Fürwahr, es ist ein Geist im Sterblichen und ein Hauch des Allmächtigen, der ihn weise macht" Diesen Menschen also setzt Gott der Herr in einen Lustgarten, ein Paradies, das er gepflanzt hatte, damit er ihn bebaue und behüte. Wir werden noch sehen, was es mit diesem Paradies und den beiden Bäumen in seiner Mitte, dem Baum der Erkenntnis und dem Baum des Lebens für eine Bewandtnis hat Jedenfalls ist es nicht das Schlaraffenland schwelgerischen Genießens und seligen Müßigganges, wozu es kindische Wünsche und Phantasie gemacht haben. Es ist nicht mehr als ein wohlbewässerter Garten mit schönen Fruchtbäumen, und auch die Früchte fallen dem Menschen nicht in den Schoß. Er muß den Garten bebauen und behüten. Selbst der erste Mensch im Paradiese, hatte also schon die beiden Pflichten, mit denen alle menschlichen Aufgaben und Leistungen umschrieben v/erden können: Schaffen und Erhalten. 4- Und selbst sein Genoß wird noch eingeschränkt Denn also gebietet ihm Gott der Herr: „von allen Bäumen des Gartens iß nur immerhin, aber da ist der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse — von ihm sollst du nicht essen, denn sobald du davon issest, bist du des Todes!" Damit ist dem Menschen das erste Gesetz gegeben, das erste: du sollst nicht! Die biblische Religion hat ihr entscheidendes Wort gesprochen. Daß der Mensch als physisches Wesen kein Gott sondern ein abhängiges Geschöpf ist, das machi ihm seine leibliche Begrenztheit und Bedürftigkeit deutlich genug, und wenn er es je vergäße, so gibt es einen strengen Mahner — den Tod. Aber damit findet er sich ab, denn es ist ein Müssen. Aber daß er sich durch ein Wollen in sein Menschsein füge, muß ein anderer höherer Wille von ihm verlangen. Das Gebot sagt Du zu mir und verlangt das Gegenteil von dem, was Ich möchte. Erst als von außen ertönende Stimme eines höchsten Ich hat es 199 13*