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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 198

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-06-01
Page
198 (sequence 4)
Language
German
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B. Jacob fallenen noch erbarmt Im ersten Kapitel war er zwar auch Mensch, von Gott geschaffen, jetzt soll er wissen, daß er ein Mensch, d.h. ein irdisches Gebilde gleich dem Tier and doch ein Ebenbild Gottes ist Diese Zwiespältigkeit konnte nicht vollkommener ausgedrückt werden als durch den Einen tiefen Satz: „Und es bildete Gott der Herr den Menschen aus Staub von der Erde und hauchte ihm einen Odem des Lebens ein und so ward der Mensch zum Lebewesen". Er ist ein Kind der Erde, von der sein Leib und zugleich des Himmels, woher sein Geist, seine Seele stammt So steht er zwischen Gott und Tier, Halbgott zugleich und Halbtier auch. Kein anderes Wesen kennt einen Zwiespalt Für den Menschen wird er seine Tragik, ihn zu versöhnen seine Aufgabe. Ihn ruft der Himmel und besitzt die Erde, an der er sich hält mit klammernden Organen. Alle inneren Konflikte entspringen dieser Vereinigung des Gotteshauches mit dem Staube, denn eben der göttliche Odem, der ihn beseelt, macht ihn zu dem Lebewesen, das mit dem Tiere die gleichen Bedürfnisse und Triebe teilt, sodaß er ganz Tier werden könnte, wenn nicht derselbe göttliche Odem zugleich seine Vernunft und Freiheit bedeutet Weh über ihn, wenn er sie braucht allein, nur tierischer als jedes Tier zu sein. Das Wesen des Menschen hat die Denker aller Zeiten nicht minder beschäftigt als die Frage nach der Entstehung der Welt. Wie verhalten sich Körper \md was man Geist oder Seele nennt zu einander? Es gibt keine befriedigendere, erziehlichere und volkstümlichere- Antwort als sie in diesem Bibelverse gegeben ist Es ist wahr, daß der Mensch, von einem gewissen Gesichtspunkte aus gesehen, im Leiblichen aufzugehen scheint und sich kaum vom Tiere unterscheidet Wir hörten, daß es auch die Thora sagt, und der weise Prediger wiederholt es: „Der Vorzug vor dem Tiere ist nichts." Daher konnte man, nur dies im Auge, die Lehre aufstellen, daß das Geistige nicht nur dem Körperlichen parallel ist oder in Wechselwirkung mit ihm steht, sondern nur ein Ausdruck des Körperlichen und der Mensch überhaupt nichts anderes als ein Tier ist, von den andern nur dem Grade, nicht der Art nach verschieden. Er ist die nächst höhere Ordnung über dem Affen, von dem er wohl gar abstamme, wenn man die Entwicklung der Organismen zu immer vollkommeneren Wesen anzunehmen hat Aber stets hat, nicht der Hochmut des Menschen, sondern eine unwidersprechliche innere Gewißheit ihm versichert, worin nach einem vorübergegangenen Taumel jetzt auch die Wissenschaft zustimmt: daß, trotz aller Ähnlichkeit der körperlichen Bildung, zwischen Mensch und Tier eins unüberbrückbare Kluft liegt und immer gelegen haben muß. Schon körper- 198

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