Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Einführungen in das Erste Buch Mose
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 197 (sequence 3)
- Language
- German
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Einführungen in das erste Buch Mose lesen. Soviel ist jedenfalls gewiß, daß diese Verschiedenheit der Bezeichnungen für die Bibel das Mittel ist, die Fülle des göttlichen Wesens, das Allgemeine und Besondere, das Abstrakte und konkret Lebendige und Persönliche, das Ferne und Nahe, das Unerforschliche und Erscheinende auszudrücken. Insbesondere ist sie wertvoll für die religiöse Verständigung; in Elohim können sich alle Menschen finden. Während aber sonst immer nur der eine oder der andere Name allein gebraucht wird, sind nur in diesen beiden Kapiteln beide Namen beständig verbunden: JHWH-Elohim, was wir mit Gott der Herr übersetzen wollen (da uns dies geläufiger ist als das richtige: der Herr, Gott). Nur noch ein einziges Mal in der ganzen Thora taucht diese Verbindung wieder auf. Sie kann also nur Absicht sein. In der Schöpfungsgeschichte war durchweg der Name Elohim gebraucht Also ist dies der Gott der Schöpfung, die als Gotteswerk geschildert werden soll, und eines nur auf die Gesetze der Natur gegründeten Verhaltens. Aber der Gott des nicht aus der Natur zu schöpfenden Gesetzes und Gebotes* der religiös-moralischen Welt, heißt für den Israeliten vorzugsweise JHWH. Damit man aber nicht glaube, es seien zwei verschiedene Götter, die in getrennten Welten herrschen, hat die Thora hier, wo jene andere Welt des Gewissens sich auftut, beide Namen verbunden, um sofort am Beginn jener gefährlichen Spaltung des Göttlichen vorzubeugen. Der Gott draußen in der Natur und der drinnen im Gewissen ist Einer, der die Welt geschaffen hat ist mit Nichten ein anderer als der das Gebot gibt Beides stammt aus demselben Urgrund und Willen, und in seinem Gotte JHWH verehrt der Israelit keinen andern als den Schöpfer. So hat diese Erzählung dieselbe Absicht wie die erste: Gottesfurcht zu lehren. Dort soll sie aus der Betrachtung der Schöpfung und der sich in ihr bekundenden Macht und Weisheit, hier aus der zwingenden Gewalt des Gebotes und dem Gefühl für die ihm zugrunde liegende Liebe und Gnade erwachsen. Die ganze Thora, die ganze Geschichte Israels, ja die ganze religiöse Entwicklung der Menschheit hat diese Erkenntnis zum Ziel: daß JHWH der Elohim, daß der Ewige der einzige wahre Gott ist 3. Wenn nun die Schrift jetzt erzählt, wie der Mensch geschaffen wurde und dabei die Kehrseite seines Wesens aufdeckt, so geschieht es nicht, um ihn zu erniedrigen, sondern über seine volle Natur aufzuklären, wie sich Hohes und Niedriges in ihm verbindet, und nicht bloß die Macht zu herrschen, sondern auch Schwäche und die Fähigkeit zu straucheln sein Erbteil ist, aber auch dieselbe Liebe, die ihn durch das Gebot leiten will und warnt, sich auch des Ge- 197 13