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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 196

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-06-01
Page
196 (sequence 2)
Language
German
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B. Jacob die Harmonie der Welt stören und wird sich damit selbst zerstören, und nur er kann sie mit seiner frei gewollten Unterordnung bestätigen und fördern und sich damit dem Schöpfer beigesellen. Das ist seine höchste Ebenbildlichkeit Hieraus ergibt sich, daß sich für dieses Kapitel sowohl der Standpunkt als die Darstellung und der Ton ändern müssen. Im ersten war der Mensch nur eines der Werke Gottes, wenn auch das vorzüglichste und als Endpunkt und Ziel gebührend gewürdigt Aber er mußte sich in den Rahmen der ganzen Schöpfung fügen. Jetzt wird er der Mittelpunkt Denn von jetzt ab wird er und sein Geschlecht, ihre Aufgabe und Geschichte, der einzige Gegenstand des heiligen Buches. Es ist irrig, in dieser Erzählung eine zweite und wohl gar abweichende Schöpfungsgeschichte zu sehen. Es ist darin weder von der Schöpfung des Himmels noch der Erde, von Land und Meer, Sonne und Sternen die Rede, und insoweit von Flur und Tieren gesprochen wird, geschieht es nur in Beziehung auf den Menschen. Wohl aber kann man sagen, daß sich hier eine zweite Welt auf tut, die sich über der ersten wölbt wie der Himmel über der Erde: die sittliche über der natürlichen. Nicht vom Werden, sondern vom Sollen, nicht von der Welt und ihrem Schöpfer, sondern vom Gewissen und seinem Gesetzgeber, von Pflicht, Schuld und Strafe soll gehandelt werden. 2. Damit erklärt sich eine hochbedeutsame sprachliche Eigentümlichkeit in diesen beiden Kapiteln, die dem Leser sofort auffallen muß. Die Bibel hat zwei Hauptbezeichnungen für Gott Die eine ist das Wort ELOHIM. Dies ist das Gattungswort für Gott oder Gottheit Die andere, die der Jude aus Ehrfurcht überhaupt nicht ausspricht, weil sie der eigentliche Eigenname Gottes ist, und auch gar nicht mehr richtig aussprechen könnte, da die Vokale ungewiß sind, besieht aus den vier Buchstaben J-H-W-H. Der Begriff Elohim Gott ist allen Menschen und Religionen gemeinsam. Es ist noch kein Volk auf der Erde gefunden worden, das nicht Elohim hätte, wie verschieden er auch aufgefaßt werden möge. Nun findet man in der Thora und zumal im ersten Buche bald den einen bald den andern Namen gebraucht, ohne daß bis jetzt jedesmal ein zwingender Grund erkannt worden ist, obgleich der Wechsel bei diesem allerwichtigsten Begriff unmöglich willkürlich sein kann und seine Erklärung für das Verständnis von der größten Bedeutung sein muß. Die jüdische Schriftforschung hat schon früh darin den Ausdruck für zwei Seiten im sittlichen Wesen des Einen Gottes gefunden: Elohim ist die göttliche Gerechtigkeit, JEWH die göttliche Gnade, und um den zweiten Namen aussprechbar zu machen, hieß man dafür das Wort Adonaj Herr (eigentlich: mein Herr) 196

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