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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 195

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Einführungen in das Erste Buch Mose
Date
1925-06-01
Page
195 (sequence 1)
Language
German
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Einführungen in das Erste Buch Mose. Von B. Jacob. n. Das Paradies. i. Am Ende der Schöpfung steht der Mensch als ihr unumschränkter Herrscher da. Ist aber damit sein Wesen und seine Aufgabe erschöpft, kann die Thora dabei stehen bleiben? Wohl hat er Grund zu dem Hochgefühl, das ihn überkommt, wenn er sein Reich überschaut Vieles Gewaltige lebt, doch nichts ist gewaltiger als der Mensch. Alle Schätze gehören ihm, alle Wesen sind ihm Untertan, alle Kräfte vermag er zu meistern und im Reich der Erkenntnis wie der Gestaltung als ein unaufhaltsamer Eroberer vorzudringen. Aber dies Bewußtsein birgt auch eine Gefahr: daß der Mensch, von seiner Herrlichkeit und Macht berauscht, nichts mehr wissen mag von einem Herren über ihm, daß er sich nicht bloß für ein Ebenbild der Gottheit sondern selbst für einen Gott hält, und das Hochgefühl sich zu wahnwitzigem Hochmut steigert, der die Strafe herausfordert und zu Fall bringen muß. Alle Dinge sind ihrer Natur nach gegen das göttliche Gesetz gehorsam. Denn es ist das ihnen eingeschaffene Gesetz ihres Daseins und Wirkens, gegen das sie gar nicht sein und wirken könnten. Sie wollen nicht, sie müssen. Der Mensch ist das einzige Wesen mit einem freien Wollen, das sich empören, und darum das einzige Element der Schöpfung, das ihre Ordnung und Harmonie stören kann. Das aber wird ihr Urheber nicht dulden. Darum muß dem Menschen jetzt gesagt werden, daß, so hochgefürstet er sich dünken darf, auch er nur ein irdisches Gemächt und Staub und Asche ist, muß er belehrt werden, daß er zwar Herr, der Herr aber Untertan des Himmels ist, und seine wahre Herrschaft und Würde in der Herrschaft über sich selbst und dem Gehorsam gegen ein Gebot besteht, das nur für ihn gilt Nur er kann 195

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