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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 183

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
Date
1925-06-01
Page
183 (sequence 22)
Language
German
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Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens Isaak also erflehte in der Erzählung des Erzählers — am eine präzise Ausdrucksweise für die vorliegende Darstell imgsform zu gebrauchen — Genes. 2 5, 21 für sein Weib Rebekka den Segen der Fruchtbarkeit Gott erhörte das Gebet, Rebekka ward schwanger. Als ihre Zeit gekommen war, siehe (V. 2 4), da waren Zwillinge in ihrem Schoß.25) Und sie gebiert zuerst den Esau, der ob seiner Rauhheit den dies bedeutenden Namen Esau erhält, dann den Jaqob, der seine Hand auf seines Brudere Ferse legt, ihm, wie wir vergleichsweise sagen dürfen, auf dem Fuße folgt und daher passend den Namen Jaqob, d. h. der Folger, bekommt; wir würden „Fersenhafter" sagen, wenn wir im Deutschen Namen dieser Art bilden könnten, und wir würden diesen Namen gern bilden, um vollkommen deutlich zu machen, daß in dem Namen vom Stamm aqab, die Ferse, nichts liegt als jenes: auf dem Fuße folgen. Nun läuft die Zeit und die Geschichte weiter, Jaqob listet um ein Linsengericht seinem Bruder Esau das Recht der Erstgeburt ab, er stiehlt ihm in der Verkleidung eines rauhen Jägers den Segen seines Vaters. Jetzt, aber in voller Schärfe erst jetzt, Kap. 2 7,36, kommt es in Esaus Sinn, dem Namen Jaqobs, seines „Bruders auf dem Fuße" nachzusinnen. Und jetzt erst geht ihm die Bedeutung, der Hintersinn, nein der wahre Sinn dieses doppelsinnigen Namens auf, nachdem sein Bruder ihn bewährt hat: der Sinn nämlich, daß Jaqob nicht bloß heißt und heißen sollte: der Bruder, der auf dem Fuße folgt, sondern daß es heißen muß: der Bruder, der ein Bein stellt, der mir auf den Fersen sitzt! Zweimal hatte Jaqob dem Esau ein Bein gestellt, sollte er vom Beinstellen seinen Namen haben? Wie es in der Erzählung von Jaqob und Esau dem Esau ergeht, so geht es im Märchen der Maus in der Gesellschaft der Katze. Erst als der sorgenvolle Winter da ist, bemerkt die arme Maus, daß ihr die Katze das Vorratsnäpfchen Haut-ab, halb-aus, ganz-aus gefressen hat, damals als sie sich Urlaub nahm, ihre Patenkinder „Hautab", „Halbaus", „Ganzaus" über die Taufe zu halten. Und beruht nicht Odysseus* Rettung aus der Höhle des Polyphem auf demselben Mißverstand? „Was sollen wir Dir helfen, wenn Dich Niemand schlägt" so erwidern die Cyklopen dem hülferufenden, vom Odysseus-Niemand Geblendeten zu. Es ist offenbar, daß jene 25) Der Anschluß von 24 an 21, der durch das: Siehe! der Überraschung allein schon geboten wäre, wird durch 22/23 ungeschickt unterbrochen; denn wenn sich Kinder im Mutterleibe stoßen können, dann trägt dieser Leib mehr als ein Kind. Wir betonen diese textliche Unreinheit der Überlieferung so stark, um desto klarer erkennen zu lassen, daß weder die Vorankündigung von Kindern im Plural (22) noch die Verheißung Gottes (23) über die beiden Kinder mit der vom Erzähler entwickelten Geschichte etwas zu tun hat. Den Beweis bringt 27,36. S.i.Text. 183 12

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