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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 182

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
Date
1925-06-01
Page
182 (sequence 21)
Language
German
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R. Hallo 9 (so die moderne Auffassung) oder zu verlästern (so die jüdische Tradition). Es ist die früheste Stelle, an der nicht etwa der Erzähler seine Gestalten unter dem ihm geläufigen Namen Jahveh von Gott sprechen läßt, sondern an der er seinen Gestalten die Kenntnis des Namens Jahveh ausdrücklich (mit Recht oder Unrecht) zuschreibt, ein Unterschied zwischen der Gottesvorstellung des Erzählers und der von ihm sich selbst vorgestellten Gottesvorstellung seiner Figuren, der bisher zu wenig beachtet worden ist, als daß man ihn hier in Kürze auswerten könnte. Hier ist denn endlich der Ort, um jene Untersuchung des wahren Stils der alten Erzähler, für die wir nach der einen Seite hin die Geschichte von der babylonischen Verwirrung herangezogen hatten, nach der anderen Seite zu ergänzen, um unsere Auffassung vom Sinne der Erzählung der Namensrede Gottes zu Moses am Dornbusch zu begründen. Der babylonische Turmbau und die Aussetzung des kleinen Mosesknaben waren zwei Fabeln gewesen, die einen abschließenden Namen zur Besiegelung erhielten, Babel und Moses; Geschichten also, die im Raum der Erzählung auf ihre in ihnen selbst noch nicht bekanntgegebenen Namen hinliefen. Die Geschichte von der Offenbarung des Jalrvehnamens, die wir erläutern wollen durch die Geschichte von Jaqobs Namenssinn, setzt umgekehrt — wieder innerhalb des Raumes der Erzählung — den Namen als unbegriffen voraus und läuft von ihm aus, um ihn zu begreifen und zu ihm zurückzukehren. Wieder hat von dieser, dem Erzähler gegenüber einzig rechtmäßigen Betrachtung seiner erzählten Welt als eines geschlossenen Systems die Welt der Historie und der Kausalität sich abzusondern; wieder ist es recht billig, zu sagen, daß für den Erzähler der Name war, ehe seine Deutung wurde. Es handelt sich hier aber nicht darum, die Geschichte auf dem Weg vom Kopf des Verfassers in seine Feder zu verfolgen, sondern darum, die gestaltete Geschichte, mit der er uns etwas mitteilt, allein in der Richtung abzulesen, in der er sie uns mitteilt, nichts Klügeres zu wissen, als es nach seiner Ökonomie der Klugheit seiner Personen zu wissen gelang, und nichts in die reine Aufnahme seiner Worte zu mengen, was wir — im schneidenden Gegensatz zu den Gestalten seiner Bühne — schon wissen, weil wir — das Stück schon einmal gelesen haben und seinen Ausgang schon kennen. Moses jedenfalls kannte den Ausgang seiner Berufungsstunde nicht — sonst hätte er sich, in der wahren Welt seines Dichters nicht erst zu fürchten brauchen. 182

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