Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 181 (sequence 20)
- Language
- German
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Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens Damit sind wir am Schlußpunkt Die Tempel am Sinai gehören nach sicheren ägyptischen Inschriften Hathor und Sapdu. Grimme stellt zwischen Sapdu und Schaddai eine hypothetische Gleichung auf. Er liest — mit sehr umstrittenem Recht — zwei hebräische Götternamen an eben der Stelle, an der Sapdu und Hathor verehrt wurden, nämlich Jahu und Mana; und er bezieht darauf Mana auf Hathor, Jahu auf Sapdu-Schaddai als die hebräischen Äquivalente der ägyptischen Namen23), indem er sich auf die Offenbarungserzählung Ex. 6, 3 stützt Von der verblüffenden Behauptung einmal abgesehen, daß die Juden den Besitz ihres Grottesnamens mit einem anderen Volke teilten oder gar von einem älteren Volke entlehnt hätten, scheint im ersten Augenblick die ungeheure Schärfe dieser Grimmeschen Namensidentifizierung fast zwingend. Man bedauert, daß ihr, was die Lesung der Inschriften angeht, die philologische Sicherheit fehlt, die sie der Zweifelhaftigkeit überheben würde. Gesetzt aber selbst, sie wäre epigraphisch richtig, wie stände es dann mit der Berufung auf Ex. 6, 3, auf die sich die ganze Behauptung aufbaut? Sie leidet an der Schwäche, daß jene Exodusstelle in Wahrheit nicht den Sinn hat, den ihr wie alle modernen Interpreten, so auch Grimme entnimmt. Es ist das Verdienst der großen Jacobschen Untersuchungen des Kapitels24), festgestellt zu haben, was übrigens schon Raschi überlieferte, daß ihr Sinn nicht lautet: ich hieß bisher Schaddai und will nun Jahveh genannt werden (worauf Grimmes Behauptung basiert), sondern daß sie heißt: ich bin Euch bisher nur als der Schaddai bekannt geworden, und als Jahveh war ich Euch nicht mehr als ein Name, jetzt aber sollt Ihr erfahren, was es bedeutet, daß ich Jahveh heiße! Wollte man fragen, seit wann nach der Vorstellung der Erzähler der Name Jahveh den Menschen schon bekannt war, so müßte man bis in die Vorflutzeit zurückgehen auf jene für die literargeschichtliche Betrachtung des Alten Testaments unermeßlich bedeutsame Stelle: Gen. 4> 26, wo es vom Zeitalter Enoschs heißt, daß man damals anfing, den Namen Jahveh anzurufen 23) Man sieht nicht völlig klar, wie Grimme sich den Vorgang denkt. Meint er, Sapdu sei durch Jahu übersetzt worden, in der Weise wie hebräisch Meschiach, der Gesalbte, durch griechisch Christos, das von griechischem chrio salben abgeleitet ist, übersetzt ist; oder nimmt er an, daß die Juden den aus Ägypten mitgebrachten Gottesnamen Schaddai-Sapdu am Sinai durch den dort heimischen Kultnamen Jahu-Jahveh ersetzt hätten? Im ersten Fall die Richtigkeit der Übersetzung nachzuprüfen, fehlt uns jede Möglichkeit, denn wir wissen reder, was Sapdu noch was Jahveh 24) M.W.J. 1922. 181 12