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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 180

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
Date
1925-06-01
Page
180 (sequence 19)
Language
German
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R. Hallo sagt ein dankbarer Schüler: „aus Babel bin ich entsprossen, an der Wahrheit Pforte habe ich gestanden", ein feines Wortspiel, das wie Lidzbarski scharfsinnig erkannt hat, in der babylonisch-aramäischen Originalsprache geistvoll mit der Wortbedeutung von Bab-el Pforte der Götter spielte, der sprachlich richtigen Auflösung des Wortes Babel, die wir in der Erzählung vom Turmbau (s. o. S. 173) schon erwähnt haben. (Vergl. Göttinger Gelehrte Nachrichten 1918, S. 5oi ff.) So wird in der Tat der, der sich Schaddai nennen Keß, mit Sapdu Wesenszüge gemein haben, wenn anders die Gleichung stimmen sollte.21) Nur daß wir zu wenig von Sapdu wissen, um dieses Element ermitteln zu können. Völters Rekonstruktionen des Charakters des Sapdu (wie des Jahveh) bewegen sich in kosmisch-vagen Allgemeinheiten. Von Schaddai wissen wir nur das eine, daß es, was für ein Name es auch sei, jedenfalls kein Eigenname ist. Schaddai tritt im gesamten Alten Testament nie und an keiner Stelle für sich allein auf, sondern stets nur als ein adjektivischer Zusatz, sei es zu Jahveh (Jes. i3, 6), sei es zu El (öfters). Den Gott Schaddai gibt es in der Bibel nicht; es gibt nur eine Eigenschaft Gottes, die Schaddai genannt wird.22) Was wir hiermit wissen, ist wenig, aber vielleicht doch schon genug, um die ganze Gleichung Sapdu-Schaddai als eine Scheingleichung zu entlarven, deren beide Seiten in Wahrheit unvergleichbar sind. Wenn aber Schaddai auf Sapdu zurückgeführt wird, so ist damit zur Namenserklärung scUechthin noch garnichts gesagt (wir wissen bis heute noch nicht sicher, was Sapdu heißt), so wenig bei der Zurückführung von Kaiser auf Cäsar erklärt ist, was Cäsar denn sprach inhaltlich bedeute. Aber braucht man denn zu wissen, daß das Wort Cäsar den Sinn hat: mittels Kaiserschnitt dem Mutterleib entnommen? Weiß denn nur einer, was „Gott" heißt? Braucht er, will er es wissen? Im Gegenteil ist es — ganz anders wie bei Dingwortentlehnungen (wie sie hundertfältig zwischen Palästina und Ägypten, zumeist von Palästina nach Ägypten vor sich gegangen sind), als Gesetz derNamen festzustellen, daß ihre symbolische und innere Kraft umso stärker wirkt, je mehr sich die sinnliche Wortbedeutung verflüchtigt hat, gerade als habe die „rationale" Materialität den Flug der eindringenden Phantasie beschwert. 21) Die philologische Behauptung unterliegt der philologischen Kritik. Es ist aber wichtig, schon jetzt etwaigen Versuchen, das sprachliche Verhältnis umzukehren und Sapdu von Schaddai abzuleiten, mit Bestimmtheit entgegen zu treten; eine solche Ableitung ist wegen der Dissimilation des d-d zu p-d mit Sicherheit ausgeschlossen. 22) Die Stellen, die dem zu widersprechen scheinen, wie Gen. 4g, 25; Nu. 2 4, 4, 16 enthalten Schaddai lediglich durch das poetische Stilmittel der Tmesis von seinem Substantiv getrennt. 180

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