Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 179 (sequence 18)
- Language
- German
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Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens also, in der ein Name geführt wird — und nur dieser Zustand, nicht der Akt der Namensgebung, kommt für die Namensentlehnung in Frage — ist damit aber grundsätzlich die Lösbarkeit des Namens von seinem Träger festgestellt Jedoch, gleich als habe der gelockerte Name von seinem Träger eine unverwischbare Prägung eingedrückt erhalten, wird diese Löslichkeit des Namens ihre angebbare Grenze haben. Wie sich der Titel Cäsar sprachlich zum deutschen Kaiser oder zum russischen Czar gewandelt hat — immer hat nur derjenige die Autorität gehabt, sich als Erster einer Erbreihe Cäsar nennen zu lassen, der Geist vom Geiste Cäsars in sich trug. Immer wird der, der als Jehovah im protestantisch-pietistischen. Verstände zum Vater der Dreifaltigkeit sich sprachlich und bedeutungsmäßig wandelte, Wesenszüge des einen, einzigen Jahveh in sich tragen. Und selbst in scheinbar sinnlosen menschlichen Erbnamen liegt noch etwas von jener Verbundenheit des Erben mit dem Ahnen denn der, der Pinchas (Pinkus) heißt, ist zwar gewiß kein Neger, aber er stammt doch ab von einem, der ein Neger war oder ob seiner Eigenheiten so genannt wurde — wobei es wenig verschlägt, ob diese Abhängigkeit und Zusammengehörigkeit eine wirkliche, vorgestellte oder erdichtete ist Es ist lediglich die tatsächliche Seite dieses geschilderten Ablaufs, wenn nichts so vielfach beobachtet wird wie die Undurchsichtigkeit, Vieldeutigkeit und Übertragbarkeit von Götternamen. Zwei Beispiele seien angeführt, das eine, um die Erklärung des Mosesnamens, das andere, um die Gleichsetzung von Sapdu mit Jahu, die Grimme vertritt, zu beleuchten. Die Griechen, bestrebt, dem Namen ihres Gottes Apollon einen Sinn zu entlocken, deuteten ihn als den Vernichter, weil griechisch apollymi vernichten heißt und Apollon der Gott der Strafe war, die den Verwegenen trifft. Aber diese Lösung ist garnicht eine Erklärung, sonderneine Deutung, denn das Wort Apollon läßt sich in keiner Weise griechisch auflösen, weil es einer ungriechischen kleinasiatischen Sprache entstammt l Wie der Name Moses nicht hebräisch, sondern ägyptisch war. — Wenn anderseits germanische Soldaten ihren Gott Thingsus unter dem Namen Mars verehren, so setzen sie ihren Gott dem unter Mars begriffenen Gotte gleich, und gewiß nicht ohne jene grundlegende Wesensverbundenheit, die überhaupt erst die Vergleichbarkeit ermöglichte. Aber entlehnt haben die Germanen ihren „Mars" doch nicht von den Römern, so wenig wie die Juden ihren Gott von den Ägyptern entlehnt haben, weil sie — vielleicht — den Namen Schaddai aus ägyptisch Sapdu genommen haben. (Zu Thingsus, von dem möglicherweise unser Dienstag — französisch mar-di aus Marlis dies — seinen Namen hat, s. Mainzer Zeitschrift VI i4o). Es ist bekannt, wie das Wachrufen der im Namen liegenden Erinnerung anfeuernd zu wirken vermag; aber selbst fernerliegenden Namen kann eine für den Träger bedeutsame Kraft entspringen, wie in Fontanes Gedicht auf Seydlitz, den Reitergeneral, die Nennung des Geburtsorts Calcar anspornend wirkt: „denn Calcar, das heißt Sporn". Ähnlich so singt im deutschen .Vogelalphabet der Rabe „täglich seinen Baß; — heut' will ihm nichts gelingen, — drum ruft er cras, cras, cras"; und cras als lateinisches Wort verstanden heißt eben Morgen I (Des Knaben Wunderhorn, Recl. S. 778). Und in einem ins Mittelpersische übersetzten Gedicht 179