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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 178

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
Date
1925-06-01
Page
178 (sequence 17)
Language
German
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R. Hallo heilen Sapdu und Hathor als deren semitische Äquivalente zu beziehen, eine verblüffende Verbindung zwischen Sapdu und Jahveh herzustellen. Denn Exodus, Kapitel 6, 3 stand dort, wo sich Gott aus dem Dornstrauch offenbart, zu lesen: daß der Gott, der bisher unter dem Namen Schaddai, der Allmächtige, erschienen sei, nun unter dem Namen Jahveh, der Ewige, verehrt sein wolle. Und Schaddai war — über die Zwischenform Schapdai — gleich ägyptischem Sapdu!20) Was besagt denn nun die Behauptung, daß der hebräische Gottesname Schaddai vom ägyptischen Sapdu abgeleitet werden könne, abgesehen von jenem geringen Gewinn, daß sie ein weiterer Beleg für die ohnehin sicheren ägyptisch-hebräischen Zusammenhänge wäre? Sie könnte eine wertvollere Erkenntnis nur dann enthalten, wenn die behauptete Abhängigkeit der Namen auch etwas über die Abhängigkeit der Namensträger aussagte, eine unbedachte Vorstellung, die leicht entsteht, weil es scheint, als ob die Götternamen — im Gegensatz zu den oft bedeutungsleeren oder lediglich ererbten Menschennamen — ein unlöslicher Bestandteil der Gottesvorstellungen selbst wären, fast als wären die benannten Gottheiten nur insoweit existent, als sie mit Namen anrufbar und bezeichenbar geworden sind. In Wahrheit ist aber jeder Göttername nur im Akt der Namen ge b ung überhaupt eine Eigenschaf tsbezeichnung, nämlich als Versuch des Menschen, sich die Gottheit derart vorstellbar zu machen, daß sie sich von allem anderen empfundenen Geheimnis charakteristisch, d. h. mit namentlichen Eigenschaften, abhebt. So wenig aber der geprägte Göttername etwas über die Eigenschaften Gottes aussagt — wie er denn vielmehr nur aussagt, an welchen Merkmalen der Benennende Gott personhaft eigentümlich zu erkennen glaubte — so wenig sagt der einmal sinnvoll gegebene Name, den ein Gott anhänglich weiterführt, unmittelbar etwas über den aus, der unter seinem Klang jeweilig angerufen wird. Denn mit Notwendigkeit und Unverweiltheit muß der Versuch der Gottesbenennung, — den die biblische Erzählung als Namens-Offenbarung schildert — dem zu Benennenden gegenüber sich als unzulänglich erweisen, und der Name, indem er seinen sprachlich eigenschaftlichen Sinn verliert, zum Gegenstand der Deutung, sei es Aussei es Eindeutung werden. Während der ganzen Zeitdauer 20) In der Wiedergabe von ägyptisch s durch hebräisch sch in der vermuteten Gleichung Sapdu-Schaddai liegt dieselbe Schwierigkeit vor wie im Fall ms >Moscheh. Bekanntlich fehlt bisher eine sichere Erklärung des Wortes Schaddai aus dem Hebräischen. Die Ableitung von sched Dämon ist unsicher. Die Auflösung zu sche-dai: der genug ist, ist aber überhaupt keine sprachliche Erklärung, sondern eine midraschhafte Auslegung, wenngleich eine, die schon in das alexandrinische Altertum zurückreicht, (txayo; LXX.) 178

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