Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 177 (sequence 16)
- Language
- German
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Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens wir in einer für uns unauflösbaren Verbindung mit Sargon kennen lernten, unter all den jüdischen Gestalten gerade an Moses heftete? Doch nicht bloß deshalb, weil er der Größte war, nicht bloß deshalb, weil er sein Volk aus der ägyptischen Sklaverei herausgeführt hatte, Eigenheiten, die zu weit und allgemein gegriffen sind, um irgend etwas zu erkären. Sollte sich die schöne Erzählung vielleicht an den fremdartigen Namen des Befreiers angeschlossen haben, der zu besagen schien, sein Träger sei aus dem Wasser gezogen, und den das sinnende Bedenken der Phantasie sich vorstellen mußte, wie er dem Wasser anvertraut wurde, damit er herausgezogen werden könnte? Wäre es dann nicht ganz so wie .in der Erzählung von Babels Verwirrung, wo eine nachverweilende Bedachtsamkeit die Absicht eines Trotzbaus einführen mußte, um das Faktum des Namens: Wirrnis zu begründen? Nicht anders wie wir zu unserer ersten Frage nach Mosis Namen und seiner Erklärung nur auf dem langsamen Gang eines Umwegs kamen, so kommen wir auch an unsere andere Frage nach dem Namen Gottes und seiner Deutung nur in langsamem Anstieg, wie über Vor-Stufen in das Heiligtum. Grimme glaubte, auf den sinaitischen Steinen neben dem Namen Maua auch Jahu gelesen zu haben, und er setzte mit Recht Jahu mit Jahveh sprachlich gleich.^) Völter19) bestritt die Lesung, und ich selbst gestehe, sie auf den Photographieen auch nicht finden zu können. Damit ist aber nur die philologische Unsicherheit der derzeitigen Interpretation erwiesen, nicht jedoch die Frage nach dem Namen des Gottes, den semitische Siedler in Serabit el Chadem auf Sinai in offenbar vormosaischer Zeit verehrt haben, abgetan. Völter hatte schon vor Grimmes sinaitischen Untersuchungen aus religionsvergleichenden Erwägungen heraus den Sapdu des ägyptischen Landstrichs Gosen mit dem Jahveh-Jahu der Juden, nach den Charakterisierungen, die er in den fünf Büchern Mosis aufspürte, vergleichbar gefunden. Nun war Gosen das Land, in dem die Juden in Ägypten gesessen hatten, und Sapdu war der Gott in Gosen und auf dem Sinai! Es fehlten aber für die geradezu erwartete Gleichsetzung jegliche konkreten Stützen. Da gelang es Grimme, wohl angeregt durch die Notwendigkeit, die von ihm enträtselten Götternamen Jahu und Mana auf die einzigen auf Serabit el Chadem ansässigen Gott- 18) Das philologische Verhältnis ist hier unwesentlich. Genug, daß Jahu bezeugtermaßen für Jahveh steht. Die Juden von Elephantine (s. o. Bern. S. i63) nennen Gott nur Jahu. 19 ) Siehe oben Seite 170. 177