Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 175 (sequence 14)
- Language
- German
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Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens mo-Wasser und yses-geborgen bildete man die Namensform Moyses, die dank der vorherrschenden Macht der griechischen und lateinischen Bibelübersetzungen im Mittelalter (Septuaginta und Vulgata) unsere moderne Aussprache Moses für Moscheh eingeführt hat14) Wenn nun aber, wie es am wahrscheinlichsten ist, hebräisch Moscheh das ägyptische Wort ms Sohn wiedergibt, dann folgt aus der Analogie der ägyptischen Namen und aus dem Begriff Sohn, daß auch Moses einmal der zweite Teil eines ägyptischen Langnamens gewesen ist, und daß es wünschenswert wäre, diesen Vordernamen wiederzufinden, damit er uns über die Zeit und die Landschaft Mosis Aufschluß gäbe. Wer weiß, ob nicht die sinaitischen Nachforschungen eines Tages diese Auskunft erbringen werden? Wie dem aber auch sei, und wie es sich mit der Deutung des Namens Moscheh auch verhalten möge, die Geschichte, als deren Siegel der Name gesetzt ist, von der Aussetzung und Rettung des Kindes, das zum Führer bestimmt ist, stellt sich bei umschauender Betrachtung als ein weit verbreitetes, aus Altbabylonien schon bekanntes Märchenmotiv dar.15) Wenn man das sagt, so setzt man sich der Gefahr aus, dahin mißverstanden zu werden, als ob man dasjenige, von dem in Märchenform gesprochen wird, eben deshalb für realitätslos halte, oder als ob man das Märchen, das uns bei Moses in junger Fassung entgegentritt, von der älteren babylonischen Fassung ableite und damit entwerte! Das ist eine arge Verkennung. Freilich Personen, von denen nur in Märchen gesprochen wird, werden kaum Anspruch darauf machen können, historisch genommen . zu werden; aber wen interessiert es auch, zu wissen, ob und wann Hansel und Gretel gelebt haben, oder daß man sich dies deutsche Märchen früher schon in Frankreich erzählt hat, wenn wir die in ihm erzählten Schicksale nur mitleben können! Am Eingang der babylonischen Geschichte steht als ihr größter König Sargon L Kein Mensch zweifelt an seiner Existenz. Das hindert nicht, festzustellen, daß von seiner Jugend dasselbe Märchen erzählt wird wie von 14) Die von Josephus, Archäologie 2, 9.6. gegebene Theorie des Namens Moyse3 wird durch die ptolemäischen Papyri bestätigt. Danach ist das ägyptische Wort ises als Ausdruck für die aus dem heiligen Nil gelandeten seligen Toten geradezu als Fremdwort ins ägyptische Griechisch aufgenommen worden. 15) Eine kurze Zusammenstellung gibt E. Meyer S.B.B-A. iQx>5, 64o, zugleich ein Beispiel für die etwas derbere Art, mit der ein Historiker den Stoff anfaßt, den Gunkel literarisch zart behandelt. 175