Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 174 (sequence 13)
- Language
- German
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R. Hallo dabei aus dem hebräischen Verbum maschah. Die Sprachwissenschaft sagt: Das Verbum maschah ist selbst der Erklärung bedürftig12); keinesfalls aber heißt moscheh als Ableitung von maschah gezogen, sondern immer nur: ziehend; womit die biblische Erklärung hinfällL Es kommt im gesamten Alten Testament nur noch einmal vor: II. Sam. 22, 17 Ps. 18, 17, wo es in dem alten Danklied Davids heißt: Gott — jamscheni — zieht mich aus vielen Wassern. Formal betrachtet steht hier das Verb im Hiphil, nicht wie Ex. 2, 10 im Qal, was eine wechselseitige Aufklärung erschwert; inhaltlich aber sind die beiden Stellen so offenbar voneinander abhängig (beidemal steht das sonst völlig unbekannte Verbum, um Rettung aus dem Wasser zu bezeichnen, das zweite Mal noch dazu in übertragener Bedeutung), daß man aus dem zweiten Gebrauch nur schließen kann, daß man das Wort an ersterer Stelle in Davids Zeit schon so verstand, wie es der Erzähler von Ex. 2 selbst, oder der, der die umflaufendo Deutung hinzusetzte, erklärt. Wir bewegen uns also im Zirkel. Wir dürfen — trotz einer lautlichen Schwierigkeit — wohl mit der Ägyptologie sagen, Moscheh lasse sich deshalb nicht hebräisch ableiten, weil es, ähnlich wie Babel in der zuvor erwähnten Geschichte — garnicht hebräisch sei, sondern das ägyptische mss oder ms Kind wiedergebe, das wir aus Namen wie Thut-Mose's Sohn des Thot, Ramoses Ramses Sohn des Re kennen.13) An sich ist es ja auch das Natürliche, daß eine ägyptische Königstochter ihrem Schützling einen ägyptischen Namen gibt — selbst wenn sich herausstellen sollte, daß diese schöne Geschichte nur erfunden ist, um die Verleihung eines als fremd empfundenen Namens an Moses zu begründen! Einen Mittelweg zwischen der altisraelitischen und der modern sprachwissenschaftlichen Erklärung hat das zweisprachige alexandrinische Judentum eingeschlagen, das die Erklärung der hebräischen Tradition mit seinem Empfinden für Sprachmöglichkeit in Einklang zu bringen suchte. Indem es die übergeordnete Bedeutung der Erzählung anerkannte, änderte es den Namen Moscheh so, daß er ägyptisch „aus dem Wasser gezogen" heißen konnte. Aus 12) Merkwürdigerweise kommt auch ein anderes Wort, dessen Problematik die Inschriften aufdecken, das Wort für den Dornbusch nur ein einziges Mal im Alten Testament vor. An der Stelle Deut. 3o, 16 ist es Zitat aus Ex. 3, 6 und zudem bestritten. Und dieses Wort Seneh hat, rein lautlich betrachtet, zu Sinai mindestens denselben Grad anklingender Verwandtschaft wie balal zu Babel, so daß man fast zwangsläufig auch hier nach einer inneren Beziehung sucht. Es scheint fast so, als sei die Offenbarung unter Blitz und Donner vom Sinai herab die herbere, wirklichkeitsnähere Ausdrucksform für ein Ereignis, von dem Luther als von einem Blitzschlag sprach, der ihn erweckte, und das ein bildervoller Sinn ins Wunder des aus dem flammenden Dornbusch redenden Gottes versetzte. 13) Ein zweifellos ägyptischer Name in der Nähe des Mosesnamens ist Pincha? > Pinkus. Er bedeutet: Der Neger. 174