Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 171 (sequence 10)
- Language
- German
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Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens Fronarbeiter umdeuten.10) Damit war jeder direkte Brückenschlag von Personen der Inschriften zu Personen der Bibel erledigt. Es blieb noch an historischem Gewinn genug: Wie vor wenigen Jahrzehnten die von Glaser entdeckten südarabisch-minäischen Inschriften aus dem sinaitischen Gebiet von El öla am Golf von Akaba mit ihrer problematischen Lesung der Wörter Levi und Levitin im Sinne von Priester und Priesterin auf Inschriften einer möglicherweise vormosaischen Zeit dazu beigetragen haben, das alte, von Spencer her aufgewühlte Problem der mosaischen Religionsstiftung in ihrem Verhältnis zu den midianitischen Kulten des Jethro in Gang zu bringen, der nach der Bibel nicht nur Mosis Schwiegervater, sondern auch sein Berater in Fragen des Rechts und des Kultus war, so sind hier eine Menge von tiefreichenden Fragen angeführt worden, die wir an zwei besonders deutlichen Beispielen vorführen wollen: den Namen Moscheh und Jahveh. IL Bei den Ebräern beruht Geschichte und Dichtkunst großenteils auf Paronomasieen, wie auf Originibus der Sprache; nur durch den Geschmack an jenen kommt unser Ohr in die innere Verwandtschaft mit dem Geiste dieser. Herder, Vom Geist der ebräischen Poesie. i783, II 2, VIII. Cap. Um ermessen zu können, innerhalb welcher Grenzen denn überhaupt das Feld liegt, auf dem die Berichte der fünf Bücher Mosis durch Erweiterung unserer Kenntnisse oder Vertiefung unserer Einsichten von außen her berührt werden können, ist es fast noch dringlicher, die Art und den Stil ihrer Erzählungsweise verstehen zu lernen, als die in ihr gemachten Angaben auf ihre Zuverlässigkeit hin nachzuprüfen. Im ersten Abschnitt haben wir im Lauf der Darstellung einige historische Erörterungen beispielhaft ausgeführt, teils zur materiellen Bestätigung oder Ergänzung der biblischen Berichte, teils zur spirituellen Berichtigung oder Aufklärung aus sich nicht verständlicher Bibelstellen. 10) Völter ändert unter den Berichtigungen seines recht eilig geschriebenen Heftes seine Ansichten und concediert Grimme, daß es sich um einen aus dem Wasser gezogenen Mann handle, aber nicht um einen aus dem Nil gezogenen. Es würde nicht lohnen, diese unfruchtbare Spielerei zu erwähnen, wenn nicht Carlebach in einer Besprechung im „Israelit" den unglücklichen Versuch gemacht hätte, Grimmes orthodoxere Lesungen gegen den kritischen Völter in Schutz zu nehmen, als ob — um Carlebachs Worte zu übernehmen —, durch profane Inschriften überhaupt „das Feststehende feststehender" (so!) gemacht werden könnte. 171