Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 170 (sequence 9)
- Language
- German
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R. Hallo hinaus Fehler, die jenseits aller Fragen der philologischen Richtigkeit seiner Lesung wirkliche Schlußfehler sind, die das Fundament seiner Untersuchung schwanken lassen. Weil er glaubt, auf verschiedenen Stelen das Wort ganas verbergen und, in übertragenem Sinn, begraben lesen zu können (Genisah ist der Raum der Synagoge, in dem die veralteten Thorarollen begraben werden), vollzieht er folgende Operation: ganas verbergen; verbergen etwas heimlich machen; etwas heimlich machen heimlich etwas machen. Und so kommt er zu dem absurden Schluß, daß die großbuchstabigen Inschriften der unter freiem Himmel gesetzten Sinaistelen eine Geheimschrift seien, die der Schreiber hier am Ort erfunden habe, um, unlesbar für die ägyptischen Herren des Landes und der Minen, seine Nachrichten zu notieren. Richter 18,3o berichtet an einer durch die jüdische Tradition mittels Buchstabenhebung betonten Stelle, daß Jonathan, der Sohn Gersons und Enkel des Mnsh (Manasse) vom Jahvehglauben abtrünnig geworden sei. Die Vermutung liegt nahe — und ist alt —, daß das gehobene n nur eingeschoben sei, um den (ohne n restierenden) Namen Moscheh (Moses) durch Ablenkung vor der Schändung zu bewahren. Diese sehr delikate Frage wird von Grimme auf folgende überraschende Weise entschieden: Er entziffert einen Hauptmann Hatschcpsu-moses und einen Hauptmann Manasse; beide Namen bezeichnen, so meint er, dieselbe Person, und zwar einmal unter ägyptischem, einmal unter hebräischem Namen (wie ja auch Joseph einen ägyptischen Ober-Namen getragen hatte). Ri 18, 3o. meint also unter Manasses Maske Moses. Wieder ein Fehler. Grimme beweist gerade das, was e r nicht beweisen dürfte! Wenn Moses auch Manasse geheißen hätte, dann wäre ja das Manasse des Richterbuchs gar keine Ablenkung, sondern eine zwingende Hinweisung auf den einzigen Mann, der wirklich Moses und Manasse zugleich geheißen hätte! Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der bis zum Äußersten angespannte Forscher der magischen Anziehungskraft seiner Inschriften erlegen ist; daß er im Glauben Gutes zu tun, zu viel des Guten getan und alles in Frage gestellt hat Aber das alles bezieht sich nur auf die im Wesentlichen mißlungene Interpretation der Inschriften, nicht auf die Problematik, die Grimme hier angeschnitten hat Der Theologe Volter in Amsterdam, der Grimme vorgearbeitet hatte, mußte sofort gerade die kühnsten Lesungen Grimmes bestreiten9), die Lesung des mit Jahveh gleichgesetzten Jahu aus epigraphischen Gründen mit einem Fragezeichen versehen und die märchenhafte Geschichte von dem aus dem Wasser gezogenen Moses auf einen namenlosen, aus den Minengängen herausgezogenen 9) Völter, die althebräischen Inschriften vom Sinai und ihre historische Bedeutung, 192/4. 170