Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 169 (sequence 8)
- Language
- German
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Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens Namen der beiden ägyptischen Gottheiten vom Sinai enthüllten sich, und Jahu! und die Geschichte von der Rettung des Mosesknaben aus dem Nil durch eine Königstochter, wie die Offenbarung der Gottheit aus dem Dornbusch fanden in biographischen Berichten und theophoren Namen eine veiblüffende Bestätigung! Das war mehr, als man erwarten konnte, und mehr, als man hätte erwarten sollen. Denn wenn auch nicht von der Hand zu weisen war, daß sinaitische Funde einmal alttestamentliche Nachrichten ergänzen oder berichtigen können, so hätte doch schon der völlige Mangel ägyptischer Zeugnisse über den unzweifelhaften, langjährigen Aufenthalt Israels in Ägypten vor der phantastischen Vorstellung warnen sollen, auf dem Sinai Bestätigungen zu biblischen Geschichten zu erwarten, die sich auch vor und ohne sinaitische Forschungen schon für jeden offenen Blick als schöne Märchen oder tiefe Legenden dargetan hatten. Ein „Chef der Minenarbeiter Hatsehepsu-moses", der von der großen Königin, deren Namen er trägt, aus dem Nil gezogen und zum Tempelhauptmann des Jahu vom Sinai gemacht ist, kann für den Leser nur zweierlei Gefühle erwecken: entweder ist er philologisch richtig aus einer Inschrift herausgelesen — dann liegt der Verdacht nahe, daß die Forscher und Ausgräber das Opfer einer Fälschung geworden sind, oder die Lesung ist philologisch zweifelhaft, dann ist der Interpret durch falsche Vor-urteile mißleitet Da der erste Fall ausscheidet, müssen wir das zweite annehmen und in Kürze begründen. Grimmes Verdienste um die Entzifferung der fremdartigen Schrift besonders durch Beachtung der Buchstaben Ordnung im Alphabet, unterstehen hier nicht der Prüfung. Es beschäftigt uns nur die Methode seiner Interpretation. Sie geht von einem anfechtbaren Boden aus: von der Annahme nämlich, die zufälligen, an einem beliebigen Orte auf dem Sinai gemachten Funde annähernd mosaischer Zeit müßten sich mit Wahrscheinlichkeit gerade auf dasjenige beziehen, was uns aus der vieltausendjährigeh Geschichte der großen Landschaft Sinai in den wenigen Kapiteln der biblischen Berichte überliefert ist Grimme würde vermutlich diese voreingenommene enge Blickeinstellung nicht haben, wenn er nicht mit der Absicht schriebe, mit der Entzifferung sinaitischer Inschriften zugleich gewisse bibelkritische Hypothesen zu widerlegen, die man aber wirksam nur aus dem Nachweis der Unzulänglichkeit ihrer eigenen Voraussetzungen widerlegen kann. Er begeht darüber 169