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Der Morgen · 1925-06-01 · Heft 2 (Juni 1925) · p. 168

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Journal
Der Morgen
Volume
1 (1925-1926)
Issue
Heft 2 (Juni 1925)
Article
Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
Date
1925-06-01
Page
168 (sequence 7)
Language
German
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R. Hallo Davids und Salomos den großen Kampf um den Besitz Kanaans aufnehmen sollte. Daß die Landnahme der Juden mit diesen weltpolitischen Machtverschiebungen des ausgehenden zweiten Jahrtausends in Zusammenhang steht, ist einleuchtend und eine Angelegenheit, die von der Frage nach dem Rechtsanspruch oder dem Kampfziel der einrückenden Juden garnicht berührt wird. Um so wünschenswerter muß es sein, den Einzugsweg und das Einzugsdatum der Juden kennen zu lernen. Es scheint zunächst, als ob uns, wenigstens auf das erstere, die Bücher Mosis erschöpfende Auskunft gäben — was das letztere betrifft, so führen in der Tat die biblischen chronologischen Angaben für Moses in denselben Zeitraum, den Amarnabriefe und Meneptahstele als Grenztermini vor bezw. nach dem ägyptischen Aufenthalt festlegen. Aber das täuscht Denn wenn schon die mittelalterliche Tradition nicht einmal den Sinaiberg eindeutig festzulegen oder aus überlieferter Bestimmung festzuhalten vermochte — Katharinenberg, Berg Mosis (Dschebel Musa) und Serbai an der Spitze der Halbinsel streiten sich um die Ehre —, so ist von einer Festlegung der Marschroute der Israeliten trotz — oder gerade wegen — der allzu reichen biblischen Stationsangeben keine Rede. Seit Goethe die Untersuchung in Angriff nahm, ist das Gewirr unserer Angaben nicht gelöst worden, und wenn von einer gewissen Wahrscheinlichkeit in Einem Punkt gesprochen werden kann, so liegt sie in der von der Mehrzahl der Forscher (s. zuletzt Greßmann: Mose und seine Zeit 1913) vertretenen Auffassung, daß das Schilfmeer nicht jener Einschnitt sei, der die dreieckige Sinaihalbinsel auf der Westseite von Ägypten scheidet (Golf von Suez), sondern jener Golf von Akaba, der sie östlich von Arabien trennt; wobei man sich vergegenwärtige, daß unter dem Namen Sinai ein Stück Land begriffen ist, das etwa so groß ist wie. das gesamte antike Griechenland! In diese Unbestimmtheit werfen die Smaiinschriften ihr verführerisches Licht hinein. 1923 legte Hubert Grimme sein überraschendes Buch über den Sinai vor.8) Mit einem Schlage schienen alle Fragen der Zeit, der Stätten, der Geschichtlichkeit gelöst zu sein. Ja, noch viel mehr: selbst die semitischen 8) Das im Verlag Lafaire (Hannover) erschienene Buch Althebräische Inschriften vom Sinai, mit Lesungen, Erläuterungen und Folgerungen vereinigt auf 26 großen Tafeln das gesamte Inschriftenmaterial in den besten Photographien, die erreichbar waren; diese Publizierung allein hat schon Anspruch auf Anerkennung. Die Drucktypen würde man sich freilich auf dem glänzenden Papier gern kräftiger wünschen. 168

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