Der Morgen
- Journal
- Der Morgen
- Volume
- 1 (1925-1926)
- Issue
- Heft 2 (Juni 1925)
- Article
- Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens
- Date
- 1925-06-01
- Page
- 167 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/2895450-2895451-2895454-2895904--00200-2895976- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Ausgrabungen am Sinai und das Problem des Moses- und des Gottesnamens Die Kritik, nicht zuletzt die, die gerade Grimme übte, hat inzwischen die qenitischen Weihinschriften verweht, und die Qeniter, aus der Bibel schlecht genug bekannt, sind ins Dunkel zurückgesunken. Eine schöne Entzifferung hat sich durchgesetzt: Die Lesung des Eigennamens meohabh / bacalat „geliebt von der Hathor", den Eisler auf den sinaitischen Monumenten nachgewiesen hat; es ist die semitische Übersetzung des ägyptischen Namens: mrjnhthr, eine Bildeweise die, ganz abgesehen von Salomes Beinamen Jedid-jah Liebling Jahvehs 2 Sam. 12, 2 5 in der Art unseres Namens Gott-lieb oder griech. Theo/phil, eine prachtvolle Parallele im Alten Testament hinterlassen hat in der zweimal im Buch Josua erwähnten Quelle (Ajin) MeNPth; das ist — wie man seit Jahren erkannt hat — nicht Quelle der Wasser Neptachs, wie es die Masora aufgefaßt hatte, Josua i5,9. 18,15., sondern ägyptisches m(r)jnpth Quelle des Mannes namens: „geliebt vom (Gotte) Ptah". Und der Mann, nach dem diese Quelle in Juda heißt, der ägyptische Pharao Meneptah ist zugleich derjenige, der uns in seiner berühmten Siegesinschrift von 1220, dem ältesten Dokument der israelitischen Geschichte, seinen Triumph über den „Stamm Israel" in Palästina verkündet, ein Dokument, das uns belehrt, wann spätestens die aus Ägypten zurückwandernden Israeliten in Palästina angekommen waren. Man setzt allgemein, anknüpfend an die Nachricht des Exodus vom Bau der Stadt Ramses durch die Juden, den Auszug der Israeliten unter dem Vorgänger des Meneptah, Ramses IV., und wir gewahren an dem Namen des jtidäischen Quells, der nach Meneptah benannt wurde, wie stark der Eindruck des palästinensischen Feldzugs dieses Pharao gewirkt haben muß, von dem die Bibel nichts und die ägyptische Siegeshymne so viel berichtet Wenn wir noch anfügen, daß über diese Meneptah-Nachrichten hinaus die politische Korrespondenz der sog. Amarnabriefe mit den in ihnen erwähnten Chabiri, die man vermutungsweise mit den nach Palästina von Norden und Osten einwandernden Hebräern der Zeit vor dem ägyptischen Aufenthalt gleichsetzt, hinaufreicht, so haben wir die Geschichte der Juden bis in jene große Völkerbewegung hinaufgeleitet, die die ägyptische Kraft unheilbar schwächte, die Vormacht der Hetiter in Vorderasien begründete, — jener kriegsgewohnten Hetiter, die noch König David den General Uria stellten! — die kretisch-mykenische Kultur in der Dorischen Wanderung untergehen ließ und schließlich, als eine letzte Welle, die Philister an die Küste Palästinas (d. L Philisterland) warf, wo nun dieser Vorposten einer außerasiatischen Macht mit dem aufstrebenden Binnenreiche t67 11*